Suchen. Versuchen. Besuchen.
Mein Herz denkt an dein Wort: "Sucht mein Angesicht!" Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
(Psalm 27,8)
Gott suchen? Man müßte die richtige Versuchsanordnung wissen. Man müßte Gott versuchen. Du weißt aber, dass es verboten ist. Trauen wir uns nicht? Oder ahnen wir bereits im Ansatz das Scheitern?
Radikale Zweifler und radikale Gottgläubige wollen wissen, wie weit man gehen kann und muss. Der verlorene Sohn probiert aus, was draußen so alles passiert. Dass er eines Tages heimkehrt, lehrt uns nicht den Unsinn solcher Eskapaden, sondern die Kraft, im Scheitern umzukehren, jedenfalls nicht zu verzweifeln.
Eine bekannte jüdische Anekdote weiß, wie traurig Gott in seinem Versteck wartet, weil ihn keiner sucht.
Weil ich etwas gebacken habe, will ich, dass es jemand versucht. Weil ich zuhause bin, will ich, dass mich jemand besucht. Weil ich mich verstecke, will ich, dass mich jemand sucht. Ich kann Gottes Traurigkeit gut verstehen.
Michl Graff 
|
© Nachdruck und Veröffentlichung nicht gestattet. Nur zum persönlichen Gebrauch. gott.net e. V., Am Denkmal 2, 48249 Dülmen Tel.: 02590-915 810
E-Mail: info@gott.net, Internet: www.gott.net Spendenkonto: Nr. 88080 bei der KD-Bank Dortmund (BLZ 350 601 90). |