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Im Netz

 

Meine Augen schauen stets auf den Herrn;

denn er befreit meine Füße aus dem Netz.

Wende dich mir zu und sei mir gnädig;

denn ich bin einsam und gebeugt.

Psalm 25, 15-16

 

 

Wenn das Netz deines ist, Herr, laß mich zappeln. Lieber zappeln bei dir, als reisen und wohlfahren im Totenreich. Wenn es aber meines ist, das Netz meiner Schuld ist, das Netz meiner Vergangenheit, das Netz meiner Machenschaften: dann befrei mich.

Befrei mich aus der Verlogenheit und Maskerade, befrei mich aus Größenwahn und Minderwertigkeitsgefühl, befrei mich aus Arbeitswut und Terminkalender, befrei mich aus Rollenzwang und Heuchelei, befrei mich aus Chauvinismus und Nationalismus, befrei mich aus Laissez-faire und Know-how, befrei mich aus mir selbst, dem größten Fallensteller aller Zeiten. Befrei mich vor allem aus der krankmachenden Haltung, senkrecht zu starten und stramm zu stehen, als wär ich nie gebeugt worden.

Beuge mich, Herr, wenn ich es nicht tue. Wirf dein Netz aus und fang mich ein. Laß mich nicht wieder los, auch wenn ich dich mit Füßen trete, um von dir loszukommen. Dein Netz ist Leben, Herr.

 

Michl Graff




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