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Jesus machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. (Johannes 2,15)

Geld 


W
as Menschen alles machen, um zu Geld zu kommen. Sie verkaufen zerlesene Bücher und Raubdrucke in Kneipen. Sie spielen in der Pariser Metro zwischen zwei Stationen
Puppentheater. Sie stehen nachts am Straßenrand, leichtgeschürzt, und bieten ihren Körper an. Sie klauen einem die Handtasche. Sie beziehen ein geregeltes Monatseinkommen und gehen dafür täglich acht Stunden ins Geschäft. Sie singen für Geld, tanzen für Geld, lieben für Geld, predigen für Geld, »Money makes the world go round«. Was würden Sie für Geld nicht tun, fragte Max Frisch, heimtückisch.

Auf den ersten Blick scheint die Alternative klar zu sein: Geld oder Gott. Jesus wirkt hier kompromisslos; und er wird als materieller Habenichts vorgestellt, armer Leute Kind. Bettelorden und Kommunisten können sich auf ihn berufen, obwohl die Armut der einen in der Regel nur mit Hilfe des Wohlstands der anderen funktioniert. Die Kirchengeschichte macht deutlich, dass man sich ‑ anderen Jesusworten folgend ‑ auch mit dem ungerechten Mammon Freunde machen kann. Die »Kirche der Armen« bleibt radikalen Predigern und konsequenten Nachfolgern vorbehalten, während die ursprünglich Armen und Hungernden der Erde in ihrer materiellen Ohnmacht nichts Schönes erblicken können. Selbst wenn wir die Erfinder des Geldes nachträglich schmähen und darin einen besonders verhängnisvollen Sündenfall erblicken, können wir aus der Geldwelt nicht mehr aussteigen. Trotzdem leuchtet mir das Mahnwort Jesu ein, wonach man nicht zwei Herren dienen kann. Es geht um die Frage, wer mich denn regiert.

Solange Geld die Welt regiert, sind wir käuflich und berechnend. Nicht das Geld ist unser Problem, sondern seine gottgleiche Macht in unserem Leben, das bittere Unrecht in der Verteilung, die kleinliche Habgier. Haben oder Sein, formuliert Erich Fromm, Geld oder Leben. Ich stelle mir Gott als grenzenlosen Verschwender vor. Wo wir Leistung und Gegenleistung verrechnen, überrascht uns seine unmögliche Liebe, bis hinein in die totale Pleite am Kreuz. Krämerseelen werden ihn nie verstehen.

 

Michl Graff

 




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