Gottes Zorngericht:
Die Sintflut
1. Mose 6,5 - 7,24
Der Text beginnt mit einer geradezu niederschmetternden Einschätzung der Menschen: Ihre Schlechtigkeit ist unvorstellbar groß und ihre Taten sind von Bosheit durchtränkt. Kritischer kann man den Menschen gar nicht beurteilen. Und dieses Urteil stammt von keinem Geringeren als Gott selbst (Vers 5). Doch ist diesem Urteil immer wieder im Namen der Humanität widersprochen worden: Der Mensch sei von Natur aus edel und gut, auch wenn er im konkreten Einzelfall immer wieder einmal versage. Doch wie lassen sich dann Hass, Gemeinheit und Unterdrückung von Menschen durch Menschen erklären? Wie das Anwachsen von Brutalität und Gewalt gerade in unserer Zeit? Was gibt uns Menschen Anlass zu dem kühnen Glauben, dass der Mensch trotzdem im Grunde seines Wesens gut sei?
Von Anfang an ist die Bibel sehr viel nüchterner in der Einschätzung der menschlichen Natur. Bei dem Apostel Paulus lesen wir: Sie - d.h. die Menschen - sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten (Römer 3,23).
Gott ist nicht bereit, die Bosheit des Menschen länger hinzunehmen. Es reut ihn sogar, den Menschen geschaffen zu haben: Erstmals wird in der Bibel völlig unbefangen von den Empfindungen Gottes gesprochen. Gott lässt sich seine eigene Schöpfung zu Herzen gehen. Was immer in der Zukunft der Menschheit geschehen wird: Gott kommt von seinen Geschöpfen nicht los.
Das Zorngericht Gottes über seine Schöpfung ist hart und unerbittlich: Das Ende alles Fleisches ist bei mir beschlossen, heißt sein Urteil (Kapitel 6, Vers 13). Selbst die außermenschliche Kreatur bleibt nicht verschont, obwohl sie keine Schuld trifft. Nur Noah und seine Familie finden Gnade vor dem Herrn (Kapitel 6, Vers 9). Obwohl die ganze Welt in den Fluten versinkt, gibt Gott seine Schöpfung nicht radikal dem Untergang preis. Es ist, als ob der gnädige Gott dem zur Vernichtung der Schöpfung entschlossenen Richtergott in die Arme fällt.
Klaus Jürgen Diehl

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