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Der Turmbau in Babel

1. Mose 11,1-9

 

 

 

 

Weder durch die Sintflut noch durch den Bund Gottes mit Noah haben sich die Menschen geändert. Im Gegenteil! Äußerte sich die Bosheit der Menschen bisher in Einzeltaten (Kains Brudermord), so wird jetzt durch Großmannssucht und Machtstreben das Zusammenleben der Völker gefährdet. Erstaunlich treffend wird hier schon ein Gesetz der kommenden Geschichte vorweggenommen: dass nämlich solche Übersteigerung der Macht (wir machen uns einen Namen, Vers 4) unweigerlich zur Zerstörung der Gemeinschaft führt.

Da fuhr der Herr hernieder! (Vers 5). Welch eine Ironie liegt in diesen Worten! Während die Menschen in maßloser Selbstüberschätzung glauben, einen himmelstürmenden Turm zu errichten, muss Gott erst von seiner Höhe herunterkommen, um zu sehen, was die Menschen da unten anstellen. Gott setzt dem stolzen und machtbesessenen Treiben der Menschen einen Riegel vor. Er weiß: Menschen, die von der eigenen Macht und Größe besessen werden, sind zu jeder Maßlosigkeit und Grenzüberschreitung fähig. So ist es wohl ein strafendes und zugleich ein vorbeugendes Tun, zu dem Gott sich entschließt, um die Menschen bei fortschreitender Entartung nicht noch härter strafen zu müssen. Er verwirrt die Sprache der Menschen und zerstreut sie, d.h. teilt sie in eine Vielzahl unterschiedlicher Völker auf.

Zum Glück gibt es im Neuen Testament eine hinreißende Gegengeschichte zur "babylonischen Sprachverwirrung" von 1. Mose 11. Da lesen wir in der Pfingstgeschichte, wie Gott seinen Geist über die Menschen ausgießt (Apostelgeschichte 2). Plötzlich geschieht das Beglückende: Die Menschen können einander wieder verstehen! Zwar bleibt die Vielfalt der Sprachen bestehen, aber durch den Geist Gottes ist Verständigung, ja Einheit möglich. In der weltweiten Ökumene von unterschiedlich geprägten Christen aus allen Rassen, Nationen, Kulturen und sozialen Schichten kann diese Einheit heute als versöhnte Verschiedenheit konkret erfahren werden.

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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