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Die Zehn Gebote

 

2. Mose 20,1-17

 

 

 

 

Die Offenbarung Gottes am Sinai mündet in die Übergabe der Zehn Gebote an das Volk als der verbindlichen Lebensordnung für den zwischen Gott und Israel geschlossenen Bund. Dabei ist gleich der erste Satz von entscheidender Bedeutung: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe (Vers 2). Am Anfang der gemeinsamen Geschichte stehen nicht Gesetze und Verordnungen mit der Androhung von Strafe bei Nichtbefolgung. Israel lernt Gott als den unbegreiflichen Befreier aus dem Elend seiner jahrhundertelangen Sklaverei kennen.

Mit dem 1. Gebot als „Visitenkarte“ weist Gott noch einmal auf dieses Wunder der Befreiung hin. Damit ist jedes Missverständnis der Gebote als autoritärer Bevormundung bzw. Einengung menschlicher Freiheit unmöglich gemacht. Israel soll von Anfang an wissen: Die Gebote Gottes sind Hilfen für ein gelingendes Leben. Wer sich darüber hinwegsetzt, beleidigt nicht nur Gott; er beschädigt und zerstört am Ende sein eigenes Leben und das anderer Menschen.

Die Zehn Gebote sind bis heute die verbindliche Grundlage für das Leben von Juden und Christen. Er hat darüber hinaus staatliche Gesetzgebung und das moralische Bewusstsein vieler Völker bis in die Gegenwart hinein entscheidend geprägt. In der Tradition der christlichen Kirchen haben die Gebote eine dreifache Funktion:

1. Sie sind wie ein Spiegel und decken menschliche Versäumnisse und Verfehlungen auf. Am Maßstab der Gebote Gottes erkennen Menschen, was sie Gott und anderen schuldig geblieben sind.

2. Sie sind wie die Zügel eines Pferdes, indem sie Menschen Orientierung und Wegweisung geben. Und manchmal können sie auch - wie durch ein kurzes Anspannen der Zügel - ein deutliches „Stopp“ signalisieren, wenn Menschen dabei sind, auf Abwege zu geraten.

3. Schließlich wollen die Gebote auch Regeln für das tägliche Leben sein. Dabei geht es nicht in erster Linie um das Vermeiden von bösen Taten. Die Gebote wollen stets ins Positive hinein ausgelegt werden. So soll etwa aus dem Verbot „Du sollst nicht töten“ das Gebot werden „Du sollst das Leben anderer schützen“!

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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