Der Beginn
einer Tragödie:
Israels fortwährender Bruch
der Vertragsvereinbarungen
Mit Israels Befreiung, dem Bundesschluss am Sinai und der Lebensordnung der Zehn Gebote hatte Gott selbst die entscheidenden Voraussetzungen für eine Geschichte mit Happy End geschaffen. Hatte dieses befreite Sklavenvolk nicht allen Grund zur Dankbarkeit und zum Vertrauen in Gottes Führung? Müssten wir nicht erwarten, dass sich nach diesem großartigen Start die Geschichte Gottes mit seinem Volk zu einer grandiosen Erfolgsgeschichte entwickelt? Doch die Bibel erzählt es in ungeschminkter Nüchternheit ganz anders. Schon wenige Wochen nach der Befreiungsaktion geht das Jammern und Klagen los. Vergessen scheinen die Jahrhunderte elender Schufterei und Unterdrückung, nun sehnen sich die Israeliten plötzlich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück - als hätten sie in der Fremde nicht oft genug Kohldampf schieben müssen.
Und dann, als Mose und die Ältesten nicht gleich von der Begegnung mit Gott auf dem Sinai zum Volk zurückkehren, werden sie ungeduldig. Sie gießen sich ihr eigenes Stierbild, das ihnen als Abbild Gottes voranziehen soll. Statt mit etwas mehr Geduld auf die Führung Gottes zu setzen und dabei Wartezeiten und Umwege in Kauf zu nehmen, erscheint es plötzlich praktischer und Erfolg versprechender, ein sichtbares Abbild Gottes zu schaffen. Sie wollen letztlich selbst bestimmen, wo es lang gehen soll. Die Rechnung ist ganz einfach: Wohin sie nun das Stierbild tragen, dorthin muss dann auch ihr Gott mitgehen.
Doch der lebendige Gott macht Israel einen Strich durch die Rechnung. Er spielt nicht mit. Es kommt zum ersten, harten Strafgericht über das vertragsbrüchige Volk. Und trotzdem verliert Gott seine Lust nicht an diesem undankbaren Volk und wendet sich nicht enttäuscht von ihm ab. Im Gegenteil! Das 2. Buch Mose schildert in immer neuen Variationen, wie Gott sein Volk in der Wüste versorgt, wie er trotz aller Eskapaden Israels sein Treueversprechen nicht zurücknimmt. Ein unbegreiflich anhänglicher Gott!
Klaus Jürgen Diehl

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