Gideon – Befreier
in der Stunde der Not
Richter 6,11-40
Die Geschichte Gideons ist ein anschauliches Beispiel für die Eigenart der charismatischen Führer in der Richterzeit. Ausgangspunkt ist die Bedrückung durch die Midianiter, die mit überfallartigen Raubzügen immer wieder nach Kanaan eindringen, die Ernte zerstören und die Herden rauben. Da kommt ein Bote Gottes zu dem Bauernsohn Gideon und beruft ihn zum Befreier seines Volkes. Gideon sträubt sich zunächst, kommt er doch aus einem kleinen, unbedeutenden Stamm und ist zudem noch der Jüngste in der Familie. Aber so ist Gott eben: Er beruft gerade die untauglich Scheinenden und sagt ihnen seine persönliche Gegenwart zu.
Das Zeichen, das Gideon zur Bestätigung seiner Berufung erbittet, unterstreicht, dass Gottes Kraft mit Gideon sein wird.
Doch bevor Gideon sein Volk von den Midianitern befreit, hat er zunächst eine noch wichtigere Mission zu erfüllen: Gott macht ihm klar, dass der Kampf um das Land zugleich ein Kampf für die Alleinherrschaft und Ehre JAHWES, des Gottes Israels, ist. Befremdend genug, dass der kanaanäische Fruchtbarkeitskult der Baale selbst in Gideons Familie Eingang gefunden hatte. So bekommt Gideon den delikaten Auftrag, den Baal-Altar seines eigenen Vaters zu Kleinholz zu schlagen und durch diese Zerstörungsaktion den Abfall Israels und seinen Aberglauben zu entlarven.
Gideon sucht sich für dieses nicht ungefährliche Vorhaben Verbündete - auf sich allein gestellt fühlt er sich wohl zu schwach - und führt den Auftrag Gottes in einer Nacht- und Nebelaktion durch. Und siehe da: Selbst der eigene Vater scheint durch das entschlossene Vorgehen seines Sohnes von seinem Heiden-Respekt vor dem Baalskult befreit zu sein. Plötzlich sackt der ganze heidnische Kult wie ein angestochener Luftballon in sich zusammen. Nach dieser Klarstellung ist Gideon zum Kampf gegen die Midianiter und Amelekiter gerüstet, zumal der Geist des HERRN den Gideon erfüllt (Vers 34). Doch abermals erbittet Gideon zur eigenen Vergewisserung ein Zeichen von Gott. Er will nichts unternehmen, ohne hundertprozentig gewiss zu sein, dass Gott hinter ihm steht.
Klaus Jürgen Diehl 
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