Die Psalmen –
Israel Antwort auf
Gottes Reden und Tun
Mitten im Alten Testament - zwischen den Geschichts- und den Propheten-Büchern - finden wir die Psalmen: das in Jahrhunderten gewachsene Gebet- und Liederbuch Israels. In seinem Kern ist der Psalter Antwort auf Gottes Reden und Tun. Es spiegelt dabei den Glauben Israels in seiner ganzen Vielfalt. Von Angst und Klage über Bekenntnisse des Vertrauens und der Zuversicht bis hin zu überschwänglichem Lobpreis. Wie sehr fromme Israeliten in und mit den Psalmen gelebt haben, wird bis in die Passion Jesu hinein deutlich: In seiner Verzweiflung und Todesangst nimmt Jesus Zuflucht zu den Worten des 22. Psalms: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Psalm 22,2). Ja, bis zum heutigen Tag finden Menschen sich z.B. in den Worten des 23. Psalms selbst in bedrängenden Lebenssituationen gut aufgehoben und wissen sich unter dem Schutz Gottes geborgen.
Auch wenn der Psalter in der hebräischen Bibel mit „Die Lobpreisungen“ überschrieben ist, so sind die allermeisten Psalmen jedoch keine Loblieder, sondern Klagegebete. Das ist umso überraschender, weil in der Christenheit die Klagen in den Gottesdiensten nahezu verstummt sind, und das Beten sich weitgehend in Bitte, Lob und Dank erschöpft. Im Psalter haben die Klagen ihr eigenes Recht. Da breiten Beter - allein oder miteinander in der Gemeinde - ihre Verzweiflung, ihren Kummer klagend vor Gott aus. Da scheuen sie sich nicht, leidenschaftlich Gott mit ihren Fragen zu bestürmen: Warum musste gerade uns das Leid treffen? Wie lange willst du noch schweigen, Gott?
Die Klagegebete im Psalter sind eine Ermutigung, offen und ohne Scheu die bisher unbeantworteten Fragen und unverstandenen Lebenswege vor Gott auszubreiten, die uns zu schaffen machen. Allerdings können wir auch das aus den Psalmen lernen: Wie Menschen rückhaltlos offen reinen Tisch vor Gott machen und ihre Schuld bekennen. Oder wie sie trotz Not und Bedrängnis an Gott festhalten, weil sie unbeirrt damit rechnen, dass er ihnen helfen wird. Und schließlich wollen uns die Psalmen anstecken zu einem fröhlichen Gotteslob - durch das Staunen über die Herrlichkeit der Schöpfung Gottes wie über seine wunderbaren Taten in der Geschichte.
Klaus Jürgen Diehl

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