Ein Prophet ist am Ende
1. Könige 19
Eben noch hat er den Triumph seines Gottes über den heidnischen Götzenkult miterlebt, da versinkt Elia in tiefe Verzweiflung. Eigentlich unverständlich! Doch Elia resigniert an der scheinbaren Wirkungslosigkeit Gottes in dieser Welt. Zwar hat Gott sich auf eindrückliche Weise zu seinem Opfer bekannt, doch auf Elias Gegenspielerin Isebel hat das nicht den geringsten Eindruck gemacht. Im Gegenteil! Sie schwört dem Propheten umgehend Rache und trachtet ihm nach dem Leben.
Da gibt Elia auf und läuft in die Wüste hinein, um zu sterben. Er, der unbeugsame Gotteskämpfer, ist mit seiner Kraft völlig am Ende. Er kann und will nicht mehr. Doch Gott läuft hinter ihm her. Und so wird der lebensmüde Prophet unter dem Wacholderstrauch zunächst ganz elementar von einem Engel Gottes mit Wasser und Brot versorgt. Nachdem dies zweimal geschehen ist, beginnt eine besondere Lektion Gottes für seinen Propheten: Er schickt ihn auf eine 40-tägige Wanderung durch die Wüste bis zum Berg Horeb (bzw. Sinai). Es ist jener Weg, den einst Israel durch die Wüste zog, um ins Gelobte Land zu kommen. Elia geht ihn jetzt in umgekehrter Richtung. Gott will ihm auf diese Weise ein Stück lebendigen heilsgeschichtlichen „Unterricht“ erteilen: Elia, vergiss nicht - Auch damals empfand sich mein Volk in aussichtsloser Lage. Und doch habe ich meine Verheißung wahr gemacht und es ins Land Kanaan gebracht! Während Elia noch glaubt, er sei allein als treuer Jahweverehrer in Israel übrig geblieben, macht Gott ihm klar: Du bist gar nicht allein. Da sind noch 7000 – eine unübersehbare Minderheit -, die ihre Knie nicht vor den Götzen gebeugt haben. Dieser Rest der 7000 - der ist die heimliche Gemeinde Gottes in Israel, für die Elia bisher keinen Blick hatte, weil er sich in sein Einzelkämpfertum verrannt hatte.
Am Ende wird Elia nach einer eindrücklichen Gottesbegegnung in die alten Verhältnisse zurückgeschickt. Sehr nüchtern ist der Auftrag, den Gott ihm erteilt. Auch jetzt wird ihm kein Erfolg versprochen. Aber Gott macht ihm klar, dass er das Geschick seines Volkes in Händen behält. Er setzt Könige ein - und setzt sie ab. Und mit Elisa steht bereits der Nachfolger Elias bereit.
Klaus Jürgen Diehl

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