Gegen soziales Unrecht und frommes Getue
Amos 5
Eigentlich war er als Schafhirte und Herdenbesitzer ein mittel ständischer Kleinunternehmer und entstammte weder einer Prophetenschule, noch war er Berufsprophet. Vielmehr hat ihn Gott kurzer hand von seiner Herde weg zum Propheten berufen und ihn - den im Südreich Juda Ansässigen - den Auftrag gegeben, dem Nordreich Israel das Gericht Gottes anzusagen und die Menschen zur Buße zu rufen. So wurde Amos zum Propheten wider Willen. Sein Auftrag ist knapp und bündig: Geh hin, tritt gegen mein Volk Israel als Prophet auf (Amos 7,15). Hauptsächlich wirkte Amos in Bethel, wo es ein bekanntes Heiligtum gab. Doch den Priestern am Heiligtum ist dieser unbequeme Prophet mit seiner harten Botschaft rasch zuwider. Er wird am Königshof als Unruhestifter angeschwärzt und muss kurz darauf das Land verlassen. Über sein weiteres Schicksal erfahren wir sonst nichts.
Die Botschaft des Amos ist von schneidender Schärfe. IN einer Zeit wirtschaftlicher Blüte und äußeren Wohlstands prangert er das soziale Unrecht an. Die Reichen leisten sich einen üppigen Lebensstandard, indem sie den Armen überhöhte Abgaben auferlegen und mittels Bestechungsgelder das Recht beugen. Ja, sie scheuen nicht einmal davor zurück, Menschen für ein paar Schuhe in die Schuldsklaverei zu verkaufen. Mag auch die breite Masse des Volkes solches Unrecht achselzuckend zur Kenntnis nehmen, so stößt es bei Gott auf Empörung und entschiedene Ablehnung: „Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen!“ (Amos 8,7).
Mit derselben Schärfe prangert Amos das zur frommen Fassade erstarrte gottesdienstliche Leben in Israel an. Äußerlich gesehen mag das religiöse Leben in geordneten Bahnen verlaufen. Wo aber Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten werden, sind Opfer und Gottesdienst längst zu heuchlerischem Getue entartet, das von Gott schonungslos entlarvt wird. Wie später auch andere Propheten macht Amos auf den unauflösbaren Zusammenhang von sozialer Gerechtigkeit im Alltag und dem gottesdienstlichen Leben am Sabbat bzw. den Festtagen aufmerksam.
Klaus Jürgen Diehl

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