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Jeremia –
ein Prophet
als Bollwerk Gottes

Jeremia 1

 

 

 

Über ein Jahrhundert später als Jesaja wird Jeremia von Gott zum Propheten berufen (627 v. Chr.). Jeremia nimmt unter den Propheten Israels eine besondere Stellung ein, weil er zum Propheten der nun endgültig über Israel hereinbrechenden Katastrophe wird und durch sein Wirken selbst einen schweren Leidensweg geführt wird. Was Jeremia in seiner 40-jährigen prophetischen Tätigkeit an Anfeindung, Verfolgung, Verleumdung und Einsamkeit auf sich nehmen muss, sprengt fast jeden menschlich vorstellbaren Rahmen. Mehr als einmal hängt das Leben des Propheten buchstäblich am seidenen Faden. In den Augen des Volkes und seiner Führer ist Jeremia ein lästiger Querulant, den sie am liebsten aus dem Verkehr ziehen würden und doch hält Gott bis zuletzt seine schützende Hand über diesen Propheten und stellt ihm mit seinem Schreiber Baruch einen verlässlichen Freund und Wegbegleiter zur Seite. Wie vor ihm schon Mose und Jesaja wehrt Jeremia erschrocken ab, als Gott ihn zum Propheten beruft: „Ach, Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung“ (Vers 6). Aber auch bei Jeremia gilt: Gott beruft nicht die Tauglichen - aber er macht die Berufenen tauglich. Die Berufung ist mit einer doppelten Schau (Gesicht bzw. Vision) verbunden, das zwischen der Berufung (Verse 1-10) und der Aussendung (Verse 17-19) eingefügt ist. Das erste Gesicht (erwachender Zweig) sagt ihm: Gott wacht über seinem Wort. Darum braucht sich der Prophet nicht über die Unwirksamkeit dieses Wortes zu ängstigen. Das zweite Gesicht (überkochender Kessel): es kommt vom Norden her (d. h. aus Mesopotamien) eine Katastrophe über das Land. Was zur Zeit der Berufung Jeremias noch keiner für möglich hält, wird Jahrzehnte später mit der Eroberung und Zerstörung Jerusalems durch die aus dem Norden eindringenden Babylonier grausame Wirklichkeit (587 v. Chr.). In der abschließenden Aussendung (Verse 17-19) wird Jeremia die Schwere seines Auftrages nicht verhehlt: „Ich mache dich zur ehernen Mauer“ (Vers 18), mutet ihm Gott zu. Erfolg wird diesem Propheten also nicht verheißen. Dafür aber sagt Gott ihm seine ihn aus bedrohlichen Situationen rettende Gegenwart zu („Ich bin bei dir!“), was ihn letztlich unüberwindbar machen wird, wer immer seine Feinde auch sein mögen.

 

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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