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Die Tempelrede
und die Folgen

 

Jeremia 7, 1-15 und 26, 1-24

 

 

In seiner berühmt gewordenen Tempelrede hält Jeremia wie schon vor ihm die Propheten Amos und Jesaja dem Volk den Zwiespalt zwischen gottesdienstlichem Leben und dem ständigen Bruch des Gottesrechts vor Augen und fordert es im Namen Gottes auf: „Bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt einer gegen den andern.“ (Vers 5).

 

Doch die anschließenden Worte des Propheten lassen vermuten, dass er selbst schon nicht mehr damit rechnet, mit seinem Bußruf noch einmal Gehör im Volk zu finden. Er kündigt an, dass dem Tempel in Jerusalem das selbe Schicksal widerfahren wird wie einst dem Heiligtum in Silo, in dem sich die Bundeslade befand: Silo wurde in der Richterzeit von den Philistern erobert und zerstört. Weil die Israeliten den Tempel zu einer Räuberhöhle gemacht haben, wird Gott mit dem Haus, das nach seinem Namen genannt ist, ebenso tun, wie er mit Silo getan hat (Vers 14).

  

Wir spüren aus der Strenge dieser Worte, wie Gott ein Glaube zuwider ist, der sich in äußeren Ritualen erschöpft und der nur die religiöse Fassade poliert, ohne jedoch Konsequenzen für das Leben im Alltag zu haben. Jahrhun­derte später wird Jesus das Wort Jeremias vom Tempel als Räuberhöhle wieder aufgreifen und auf ähnlich scharfe Weise das geschäftige Treiben am Jerusalemer Tempel brandmarken (Markus 11,17). Welch eine Empörung die Tempelrede Jeremias bei den Zuhörern auslöst, schildert Jeremia 26, das man deswegen im Anschluss an Jeremia 7 lesen sollte. In dem allgemeinen Tumult nach dieser Rede werden die Stimmen immer lauter, die das Leben des Propheten fordern. Jeremia bleibt in dieser aufgeheizten Atmosphäre erstaunlich gelassen und macht noch einmal deutlich, dass es nicht seine Worte sind, sondern Gott selbst ihn beauftragt hat, so zu reden.

  

Das Erstaunliche geschieht: Das Volk einschließlich seiner Oberen kommt zu dem Schluss: Jeremia ist unschuldig; er hat uns nur weitergesagt, was Gott ihm aufgetragen hat. Und plötzlich erinnert man sich an die Gerichtsworte eines anderen Propheten – Micha von Moreschet -, der lange Zeit vorher ein ähnlich hartes Wort über die Zukunft des Tem­pels weissagte und dabei selbst beim König Hiskia Einsicht und Umkehr bewirkte. Wie wenig selbstverständlich jedoch die Verschonung Jere­mias ist, macht das Schicksal seines Prophetenkollegen Uria deutlich, den König Jojakim hinrichten lässt.

  

 

Klaus Jürgen Diehl

 

 




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