Unbenanntes Dokument


Streitgespräche
mit Zweiflern

 

Maleachi 2,17 – 3,24

 

 

In der langen Kette der Propheten Israels ist Maleachi das letzte Glied. Seinen eigentlichen Namen kennen wir nicht einmal. Der Name Maleachi (= mein Bote) ist aus Maleachi 3,1 abgeleitet und später zur Überschrift über das letzte Prophetenbuch geworden. Doch ist in den vier Kapiteln dieses Buches deutlich die Stimme eines bestimmten Propheten zu erkennen. Allerdings spürt man beim Lesen rasch: Das ist nicht mehr die Stimme der frühen Propheten Israels wie etwa Amos oder Elia, die dem Volk mutig das ankündigten, was Gott ihnen als Botschaft aufgetragen hat. Maleachi schlägt sich mit Einwänden und Zweifeln seiner Zeitgenossen herum. Sie können oder wollen offensichtlich nicht mehr glauben, dass Gott noch einmal machtvoll in die Geschichte Israels eingreift.

 

Die Israeliten zur Zeit Maleachis sind erwartungsmüde geworden. Sie rechnen nicht mit der öffentlichen Erscheinung und Durchsetzung der endzeitlichen Gerechtigkeit Gottes. Doch stellt sich dieser unbekannte Prophet mit der ihm gegebenen Kraft dem wachsenden Unglauben entgegen. Dabei nimmt er Missstände aufs Korn. Er geißelt Priester, die es an ritueller Sorgfalt fehlen lassen. Er wendet sich gegen Ehescheidungen – und immer wieder gegen eine müde, religiöse Skepsis. Malea­chi betont das Kommen des Tages des Herrn (Maleachi 3,2.5.19): Unversehens wird Gott zum Gericht kommen – nicht nur über die Heidenvölker, wie es frühere Propheten angekündigt hatten, son­dern auch über Israel.

 

Mit diesen Sätzen und der Ankündigung der Sendung eines neuen Elia endet das letzte Prophetenbuch und weist damit schon weit über das Alte Testament hinaus. Jahrhunderte später wird Elia in der Gestalt Johannes des Täufers als des Vorläufers Jesu auf unsere Erde kommen.

 

 

Klaus Jürgen Diehl

 




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