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Fruchtbarkeit,

anders

 

Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.

 

Johannes 15,2

 

 

»Lange nicht allen / ist es gegeben, / aus blühenden Schmerzen / die Frucht zu gewinnen« Jean Gebser tröstet. Da hast du geschuftet und gelitten, da bist du verlebt und verbraucht. Da spürst du kalt die Schere des Winzers. Es ist der Herr. Du fühlst dich nutzlos. Ach, du hattest auf die Moral der leeren Hände gehofft, dass Gnade vor Leistung geht und dass die Armen selig sind. Du warst dir deiner Ineffektivität allezeit bewusst. Im Älterwerden gab es keine Illusionen mehr. Mögen andere das Reich Gottes verwirklichen, mögen andere heilig werden, mögen andere in der Nachfolge Jesu sein. Mit mir ist nicht mehr zu rechnen, Herr, schneide die toten Zweige ab.

»Auch sagt man, auf verbrannten, abgestorbenen Vulkanen gedeihe kein schlechter Most« Hölderlin tröstet schöner. Könnte es sein, dass ich anders fruchtbar war, als ich es mir vorgenommen hatte? Und die scharfen Schnitte, die eiskalte Klinge? Du wirfst mich nicht weg, Herr, Du reinigst nur? Sag bloß, Du liebst meinen Most!

 

 

Michl Graff

 




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