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Klingbeutel,

klingelingeling

 

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.

Markus 12,41

 

 

Schön, wenn die Reichen viel geben. Schön, dass es Reiche gibt. Stell dir vor, alle wären arm. Doch der Herr stellt es sich vor und lächelt. Ich staune und blättere im Haushaltsplan. Der gehört zu dieser Welt. Ich auch.

 

Klingbeutel, klingelingeling. Oft habe ich gelästert über die Kirche und das Geld. Über die Kirche und den Geiz. Über die Kirche und die Verschwendung. Heute will ich einmal dagegenhalten, dass der Herr zwar selber nichts in den Opferkasten tut, doch dessen Sinn nicht anzuzweifeln scheint. Gott oder Mammon, das ist die Frage. Aber nicht die einzige, die in der Bibel steht. Der Opferkasten hat in einem Land mit Kirchensteuersystem gigantische Dimensionen. Es tut weh, dass das Scherflein der Witwe kaum eine Rolle im Kalkül spielt. Es tut auch weh, dass die Reichen immer seltener viel geben. Nun wird den Kirchen das Geld knapp, und eines Tages leben wir wieder vom Opferkasten. Die Freiwilligkeitskirche kommt, und sei es auch nur finanziell. Dann werde ich jammern und wehklagen, weil die automatische Steuerkirche mich bislang besoldet, ob ich nun schlafe oder wache. Soll ich mich unterdessen mit den armen Witwen gut stellen? Oder mit den Reichen? Ich fürchte, alle Strategien sind gottlos, die nur aufs Geld aus sind. Ich glaube aber an eine Kirche, in der es so schön ist, dass die, die Geld haben, gern was springen lassen, und die, die keins haben, reichlich abbekommen.

 

 

Michael Graff

 




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