Detektive Gottes
Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen.
Sucht den Herrn und seine Macht;
sucht sein Antlitz allezeit!
Psalm 105,3-4
Gott suchen. Das ist im Psalm mehr Lust als Last. Gott suchen. Das ist eine der größten Einheitsformeln, weit über die Grenzen der Kirchenökumene hinaus. Beim Finden beginnt bekanntlich das Theater: Hier ist er, nein dort, ich hab ihn! Gott suchen, das ist Anfang und Ende, Alpha und Omega, trotz aller Offenbarung, trotz aller Gewissheit, trotz aller geprägten und gesicherten Fundstellen. Wer das Suchen verunglimpft, sitzt vor dem leeren Grab Gottes, auch wenn er noch so fromm tut.
Unter den Suchenden gibt es Professionelle. Detektive Gottes sind sie, die die Spuren sichern in unserer Welt. Jedes Partikelchen ist ihnen wichtig, jeder Schöpfungskrümel. Sie tragen die Traditionen und Konventionen zusammen, sie gehen Hinweisen nach und analysieren den religiösen Befund ihrer Zeit. Sie machen es vielleicht wie Sherlock Holmes, mühsam, exegetisch, ins Detail verliebt. Andere sind ungeduldiger, unorthodox in ihren Methoden, Columbo und Schimansky, mitunter im bischöflichen Gewand. Auch sie suchen, doch sie wissen längst Bescheid. Wieder andere sind wie Pater Brown. Sie vertrauen vor allem darauf, dass sich Gottes Antlitz im Menschen verbirgt. Sie sehen uns in die Augen, dem Halunken ebenso wie der frommen Helene. Und sie entdecken auf ihre Art, was sich anderen analytisch oder draufgängerisch offenbart: Gott, der sich suchen lässt, überall.
Michael Graff

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