Haben Sie einen Freund?
In unserer Küche klebt ein Button mit einem Magneten an der Abzugshaube über dem Herd. „Ein Freund ist ein Mensch, der dich mag, obwohl er dich kennt.“ Autor unbekannt, doch dieser Satz hat es in sich. Ich brauche einen Freund, mit dem ich über Erfahrungen und Probleme reden kann, die ich einem anderen nicht erzählen würde. Ein Freund hält mich, verrät mich nicht, er schützt mich vor Gerüchten, stellt sich vor mich. wenn es schwierig wird. Jeder hat seine Schwächen, vielleicht auch peinliche Erinnerungen aus der Vergangenheit und Ängste, was die Zukunft angeht. Die freundschaftliche Offenheit in Verschwiegenheit kann für berufliche Nöte, für Schulprobleme, für Liebeskummer und sexuelle Nöte gelten, doch das alles auch umgekehrt im positiven Sinne. „Wie du mir, so ich dir.“ Der Freund mag mich, auch wenn er mich kennt und ich ihn ebenso.
Gehen wir einen enorm wichtigen Schritt weiter. Das Johannesevangelium überliefert ein Jesuszitat, das alles auf den Kopf stellen kann. „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.“ (Johannes 17, 14) Jesus bietet uns seine Freundschaft an. Ein vielen völlig unbekannter Ton in der Musik des Evangeliums. Doch was meint Jesus? Muss ich mir seine Freundschaft verdienen, in dem ich tue, was er „gebietet“? Also: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr euch anstrengt, mir zu gefallen. Seid anständig, hochmoralisch, traditionell kirchlich, politisch korrekt und voll von christlicher Pflichterfüllung.“ Entsetzlich, diese geistige Vorstellung. Doch habe ich diese Art Predigten schon mal gehört. Da wird man religiös krank gemacht, weil es niemand schafft. Nein, Jesus ist der einzigartige Mensch von Gott gesandt, „der dich mag, obwohl er dich kennt.“ Doch was gebietet uns Jesus, was ist sein Gebot? „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 13, 34)
Nun wissen wir, was Jesus mit dem Angebot einer Freundschaft meint. Einander lieben, wie er uns liebt, obwohl er weiß, wer und wie wir sind. Er lässt uns nicht fallen. Ich habe Jesus oft enttäuscht, doch er hat mir Treue gehalten. Mit diesem Freund kann ich im Gebet reden. Ich kann alles, was mich bedrängt, enttäuscht, was mir misslungen ist, beim Namen nennen. Und er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Das hat er fest zugesagt und was er sagt, das gilt.
Viele junge Menschen, aber auch älter gewordene Menschen haben die Suche nach dem Glauben aufgegeben. Alles zu schwierig, zu kompliziert, zu traditionell, manchmal sogar verklemmt und zu weit entfernt vom Leben. Das Angebot der Freundschaft mit Jesus auf dem Weg der Liebe könnte doch ein bisher übersehener Zugang zu Gott, zum Glauben, also zu Jesus sein, in dem Gott sich uns bekannt gemacht hat.
Ich bin überaus erfreut über die Freundschaft mit Jesus, täglich, ja stündlich rede ich mit ihm. Jeder darf in dieser Minute einsteigen in diese Freundschaft mit Jesus. Sein Angebot steht.
Johannes Hansen 
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