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Jesus und die Politik

 

 

Der Streit um die Wahrheit des christlichen Glaubens ist so aktuell wie er es schon war, als „Jesus von Nazareth“ auf den Straßen Galiläas unterwegs war. Das ganze Land stand unter der Herrschaft Roms. Der römische Kaiser ernannte Statthalter, die für das Eintreiben der Steuern und für die Geltung des römischen Rechts im Lande verantwortlich waren.

 

Jesus wurde in Nazareth geboren und bewegte sich vor allem in Galiläa, wo er die Botschaft vom kommenden und im Glauben schon gegenwärtigen Reich Gottes verkündete. „Reich Gottes“ oder auch „Herrschaft Gottes“ ist kein politischer Begriff, doch konnte die Ausrufung der Herrschaft Gottes nicht nur als mystische Erfahrung verstanden werden, sondern als eine das ganze Leben umfassende und durchdringende Wirklichkeit. Diese Gegenwart Gottes war in Jesus voll präsent. Darum bekannten die Christen ihn auch als den Herrn. Nicht wie „Herr Meier“, sondern als den Kyrios, in dem Gott selbst in die Welt kam. „Jesous kyrios“ war das Taufbekenntnis der ersten Christen. Der konsequente Glaube an Jesus Christus im Sinne der „Nachfolge Jesu“ ließ sich von Anfang an nicht aus der politischen Gesellschaft ausgliedern. Wer sich zu Jesus bekannte, hatte einen existentiellen Herrschaftswechsel erfahren, der kein Lebensgebiet ausließ. Die Jesusjünger waren keine Aufrührer, wie es religiöse Gruppen im Lande durchaus waren. Sie waren „Friedensmenschen“. 

 

Die Überlieferung zeigt, dass die politische Wirklichkeit durchaus auch Jesus und seine Jünger bewegt hat. Eine Gruppe von „Pharisäern“, Angehörige einer in sich geschlossenen strengen Glaubensgemeinschaft der jüdischen Tradition, wollten Jesus sozusagen in eine Falle locken. Sie berieten, „wie sie ihn mit seinen Worten fangen“ konnten.

 

So schickten die Oberpharisäer untergeordnete Glieder ihrer Bewegung mit der Frage zu Jesus: „Ist es recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht?“ Jesus reagierte cool, würden hier junge Leute sagen. Er ließ sich von den frommen Geheimagenten eine Silbermünze zeigen und fragte sie, welches Bild auf der Münze zu sehen sei. „Des Kaisers“ antworteten sie und Jesus sagte das berühmte Wort, das Geschichte gemacht hat bis heute: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“

 

Ist Jesus ausgewichen, hat er sich um die Wahrheit gedrückt? Keinesfalls. Er hat ihnen damals und uns heute „die Wahrheit gesagt“. Er hat das erste Gebot aktualisiert: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“ Dass es in unserer Welt politische Ordnungen und Bevollmächtigte gibt, die Völker regieren, ist seit alten Zeiten bekannt und notwendig. Dass es brutale Gewaltherrscher und in modernen Zeiten gemeine Diktatoren gab, ist oft entsetzlich blutig gelaufen. Doch hat die Gemeinde Jesu nicht den Auftrag, sich parteilich zu binden, gar Regierungen zu stürzen und Aufstände anzuzetteln. Doch das „Reich Gottes“ ist unter uns, der Mann mit dem Namen „Er ist unser Friede“  (Epheser 2, 14) ist gegenwärtig. Eine Erinnerung zum Nachdenken: In den Kirchen der DDR sammelten sich Christen und Nichtchristen, um zu beten und zu beraten. 1989 fiel die Mauer in Berlin. Die „Revolution der Kerzen“ forderte kein einziges Todesopfer. Unvergesslich, ein Wunder der Geschichte. Der Glaube an den Herrn Jesus Christus war  nach meiner Überzeugung „ein guter Geruch“ in dem allen. Bekannte Jesusnachfolger standen mit anderen an der Spitze dieser Bewegung.

 

Doch keine sentimentalen Rückblicke, jeder Tag steht für Christen unter der Herrschaft Jesu Christi.  Wer kehrt um zu Christus? Wer macht mit? Heute!

 

 

 

Johannes Hansen




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