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Zungenreden

 

 

Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.

Apostelgeschichte 10,46

 

 

»Du, der die Zungen reden macht.« Unter der urkirchlichen Praxis des Zungenredens versteht man bis hinein in Sekten und charismatische Abenteuer unverständliches Lallen. Als ob das die einzige Möglichkeit des Heiligen Geistes wäre, Zungen zum Reden zu bringen. Könnte es auch ein intelligentes Zungenreden geben, wo wir bei Trost sind und uns dennoch dem Wirken des Heiligen Geistes überlassen? Ich spreche vom Predigen, näherhin vom Improvisieren.

 

Gottes Schöpfermacht ist als ordnende Kraft im Chaos gegenwärtig. Wie soll uns sein Geist nicht helfen, zu sprechen und zu predigen, sinnvoll, attraktiv, klar. Nach einer Überlegung von Max Frisch beginnt die Offenbarung »droben, wo es hell wird«. Womit nun nichts gegen raunendes Zungenreden gesagt sein soll. Aber ich möchte die Kunst der Improvisation unter dieser Rubrik der Spiritualität gewürdigt wissen. Wer einmal einem Jazzmusiker zugehört (und zugeschaut, mitgeklopft) hat, weiß um die Kraft des freien Schaffens. Am Anfang ist das Thema. Doch wer gibt das Thema? Weil der Geist weht, wo er will, genügt weder das Programm des Kirchenjahrs noch der Zettelkasten, weder das homiletische Handbuch noch eine Hörerbefragung. Ich bin mir aber sicher – und das treibt den Preis der freien Predigt ins Unerschwingliche! – , unsere Hörer und wir selbst merken unmissverständlich, wes Geistes Kind wir sind. Und er hilft unserer Schwachheit auf.

 

 

 

Michl Graff

 




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