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Ja und Amen

 

 

Ich darf beten. Du darfst beten. Wir dürfen beten. Das ist eine unglaublich gute Wahrheit. Zum Beten brauchen wir kein Abitur. Auch keine religiöse Veranlagung. Vielleicht fühlt sich jemand „religiös unmusikalisch“, wie der Philosoph Jürgen Habermas von sich gesagt hat. Er mag im gewissen Sinne Recht haben, doch das Gebet lebt nicht von unserer religiös begabten Psyche, sondern von dem Wort, das unseren Kopf und unser Herz erreicht. „Bittet, so wird euch gegeben“, hat Jesus gesagt. Das geht nicht wie „Groschen rein, Drops raus“. Die Erhörung ist kein Automatismus. Doch wir dürfen alles, unsere Sehnsucht, unsere Angst, unsere Freude, unsere Schuld, wir dürfen Gott alles vor die Füße werfen. „Gott, wer du auch bist, erbarme dich mein.“ Oder: „Hole mich raus aus diesem Loch meines Lebens, lieber Gott.“ Jeder darf hier unverschämt ehrlich und offen sein. „Vater unser“, diese Adresse hält alles aus. Das „Vater unser“ enthält im Kern den ganzen Glauben. Wir können mit den jeweiligen Bitten unsere Sachen dazu packen. Wir müssen nicht laut gesprochen beten, wir können auch mit den Gedanken unseres Denkens und Fühlens „von Herzen“ beten. Die Anrede ist wie ein Code, der einen Safe öffnet: „Unser Vater“, diesen Namen hat uns Jesus gebracht.

 

Wer eine Form, ein Ritual, einen Ort dafür braucht, der gehe einfach mitten in der Stadt in eine Kirche, suche sich einen stillen Platz und rede mit Gott. Oder er halte seinen Wagen auf einem Rastplatz an der Autobahn an und bete in seinem Wagen. Motor abstellen, Radio aus, durchatmen und Worte vor Gott bringen.

 

Der größte Theologe der Christenheit mit Namen Paulus hat einen starken Satz geschrieben: „Alle Zusagen Gottes sind Ja und sind Amen in Christus“. Jesus ist das Mensch gewordene Ja Gottes zu uns allen und er ist das Mensch gewordene Amen. Amen heißt: Ja, so ist es. Ja, darauf verlasse ich mich. Ja, versprochen ist versprochen.

 

 

Johannes Hansen




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