Keine Angst vor Berührungen
Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
Markus 5,30
Es ist zum Aus-der-Haut-fahren, sagt man gelegentlich, und wie so oft verrät die Sprache mehr, als uns lieb ist. Die Haut ist Hülle, Grenze, Schutz. Wenn sie krank oder verletzt ist, bin ich wehrlos. Dickhäuter gibt es und Dünnhäuter, aber davon will ich hier nicht reden. Reden will ich von wohligen Gefühlen, von Berührungen, von Nähe und Distanz, von dem, was du durchs Gewand noch spürst, wenn du denn willst.
Auf die Frage, was ihnen zum Thema »Sexualität und Kirche« einfällt, ernte ich bei vielen Zeitgenossen (und nicht nur bei Jugendlichen) ein müdes Lächeln. Weil ich als katholischer Priester vermutlich genug eigene Last zu tragen habe, lassen sie ihren bösen Spott beiseite. Seit sie einen Blick ins Klerikerbuch geworfen haben, haben sie mit uns Mitleid. Wie wäre es, wenn wir einmal zur Gegenoffensive starten, im Glauben an die gottgewollte gute Schöpfung, wo der Name Eden nicht nur eine schlüpfrige Bar bezeichnet? Wir lesen miteinander in den Evangelien und führen skeptische Zeitgenossen in die immer noch überraschende Begegnung mit einem so gar nicht verklemmten Jesus. Jedenfalls reagiert er auf Berührung. Sein Gewand ist dünn genug, Energie strömen zu lassen. Und siehe, da werden Menschen heil.
Michl Graff 
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