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Testamentseröffnung

 

 

Der Herr ist die Stärke seines Volkes,

er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.

Hilf deinem Volk, und segne dein Erbe,

führe und trage es in Ewigkeit!

 

Psalm 28,8-9

 

 

Bis man das kapiert, dass Testament und Testament nicht dasselbe sind, das von der Bibel ist nämlich nichts von Verstorbenen, nichts für den Notar, also, bis man das kapiert hat, ist es fast schon wieder verkehrt.

 

Wenn es aber nun mal so heißt. Übersetzen soll ich. Vom Bund soll ich reden, vom Alten und vom Neuen, oder von der Guten Nachricht, was sich eigentlich nur aufs Evangelium bezieht. Aber wenn es doch Testament heißt? Und wenn mir Erbgeschichten einfallen? Da liegt der welke Vater auf dem Sterbebett und versammelt seine Söhne. So fangen Märchen an und manchmal Tragödien.

 

Nun stellen wir uns mal ganz dumm. Stellen wir uns so dumm und sagen, dass der liebe Gott eines Tages sein Testament geändert hat. Und wir sind die Erben, du und ich. Gestorben ist er auch, jedenfalls in Figur des welken Vaters. Und der einzige Sohn ist nicht der einzige Erbe. Er kommt, um zu vollstrecken: Karfreitag. Er kommt, um zu eröffnen: Ostern. Wir, die lachenden Erben? Pfingsten. Wir: die streitende Verwandtschaft? Kirchengeschichte. Vielleicht sollten wir uns doch nicht so dumm stellen, zumal Gott lebt. Lebt und das Erbe segnet. Nicht die Erben und Schleicher, sondern das Erbe. Das soll genügen. Außerdem sind Testament und Testament nicht dasselbe.

 

 

Michl Graff

 




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