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Die DDR, die Wende und die Christen
Eine Gesprächsrunde, die so vor 20 Jahren und mehr nicht möglich gewesen wäre. Hoch über Thüringens Wäldern, in der Burgschänke der Wartburg, sprach Jürgen Werth (links) mit vier Zeitzeugen der "Wende" (von links nach rechts):
Die folgenden Beiträge bringen kurze Ausschnitte der Gesprächsteilnehmer. Die gesamte Sendung ist im Internet unter dem unten angegebenen Link abrufbar. Sie können diese Sendung auch als DVD bei uns beziehen (Bestellschein unten).
"1989 war ein Wahnsinnsjahr, man kann es vielleicht gar nicht anders sagen. Die friedliche Revolution in der DDR damals, die ihren Anfang nahm durch die Montagsdemonstrationen, die von der Nicolaikirche ausgegangen sind. Welche Rolle haben Christen bei der ‚Wende‘ gespielt; diejenigen, die in der Zeit der DDR Nachteile in Kauf nehmen mussten - und trotzdem großen Anteil hatten an dieser Wende? Wir wollen uns in dieser Runde erinnern an dieses Jahr und was eigentlich zu dieser Situation geführt hat…"
"Wenn etwas das Wort Wunder verdient hat, dann ist es 1989: ein Wunder biblischen Ausmaßes! Eine friedliche Revolution, die aus der Kirche kam – das ist wirklich nicht zu fassen! Wir wussten ja, was die ‚Genossen‘ drauf hatten: 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn, '68 in Prag und am 4. Juni '89 in Peking. Und die SED-Genossen Krenz und Modrow waren ja in jenem Sommer noch in China und haben die Genossen gelobt, dass sie den Sozialismus gerettet haben. Und wir dachten, nun ‚retten‘ sie ihn bei uns auch so … Wenn wir nur Mut gehabt hätten, das hätte nicht gereicht! Aber der Glaube ist stärker als der Mut."
"Uns hat damals die Freude motiviert: Wir dürfen dieses Wunder erleben. Die Mauer ist weg! Pastor Bodelschwingh, der ‚Lobetal‘-Gründer, hatte an den Eingang eine Christusfigur gestellt, die die Arme ausbreitet. Und er hatte gesagt: Wenn Berliner Obdachlose kommen – dass ihr mir keinen abweist! Und nun war Honecker auch ein Berliner Obdachloser … und für uns war klar, auch im Sinne Bodelschwinghs: Den müssen wir aufnehmen! Das hat ein kleines Zeichen gesetzt: Wir kommen mit Hass nicht weiter; wir müssen einen Neuanfang machen mit Versöhnung, nicht bloß mit Honecker, sondern auch mit den Genossen! Wir haben den Honeckers später auch unsere Erklärung zu lesen gegeben, die wir allen Freunden geschickt haben: dass wir das, was wir getan haben, nicht aus Sympathie mit dem alten System gemacht haben. Sondern weil Jesus uns gebietet zu vergeben. Wir haben geschrieben: Nicht nur ‚Wende‘, sondern ‚Umkehr‘ ist angesagt, für uns alle!"
"Der Impuls, der damals aus dem Raum der Kirche kam, weil die Kirchen fast der einzig verbliebene gesellschaftliche Freiraum in der DDR war, der hat sich schon in das politische Leben hinein fortgesetzt. Nur: Was uns dann etwas schwer geworden ist, war, dass wir in einer pluralen Gesellschaft natürlich sagen mussten: Nun gehören wir verschiedenen Parteien an, und es gehört dazu, dass die Parteien sich im Wettbewerb um das Vertrauen der Wähler befinden. Wir sind dann auch in Kontroversen gekommen. Und heute nehme ich die Unterschiede in der politischen Kultur nicht mehr so stark wahr, wie ich sie 1990 bis 1994 wahrgenommen habe."
"Ich glaube, dass Bitterkeit, die man empfindet – sie mag durchaus begründet sein – einen auch hart macht; man leidet letztlich selber darunter. Und ich glaube, wenn man diese Bitterkeit ablegen kann im Gebet, im Glauben, dann dient das nicht nur zur Befriedung der Situation, sondern man schenkt sich auch persönlich etwas. Das gilt auch für mich persönlich. Jetzt, wo ich vieles nicht mehr so bitter sehe, fühle ich mich wesentlich wohler. Ich habe Frieden gefunden, und ich kann manchmal sogar linke Äußerungen zu einem Teil auch nachvollziehen. Jedenfalls ist ganz wichtig, dass man im Leben Versöhnung stiftet und auch sich selbst versöhnt."
Link zu der Sendung (ERF eins):
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