Gottes Tattoos
Tattoos sind heute „in“. Die in die Haut gespritzten farbigen Bilder und Symbole haben sich zum Kult entwickelt. Was man früher eher auf den Bizeps der Matrosen sah, findet sich zunehmend auf den Körpern zarter junger Frauen. Ich gestehe, dass mir das am rechten Oberarm der bildhübschen Michelle Hunziger sichtbare Tattoo in Gestalt eines Reifens durchaus gefällt.
Nun könnte ein langer Abschnitt zur Kulturgeschichte der Tätowierung folgen, denn die Tradition der Hautbemalungen und Tätowierungen der Haut ist sehr alt. Die Indianer wuschen ihre Kriegsbemalung nach den Kämpfen mit einem anderen Stamm wieder ab. Tattoos dagegen bleiben für immer. Sie gehören in den Bereich der Treueschwüre und sind ein Bekenntnis zum Stamm oder zum Land. Für dumme Scherze wurden sie kaum missbraucht. Bei rasch wechselnden Liebesbeziehungen sollte man jedoch vorsichtig mit Namens-Tattoos sein. Nach Jessika kommt Anna, dann Franziska und Julia, am Ende ist kein Platz mehr für Treueschwüre am Leibe des Mannes und die Damen fragen die Liste ab.
Doch nun fragt der nachdenkliche Leser, was das alles mit Gott zu tun hat. Bislang wenig, doch nun kommt der seriöse Teil, der durchaus auch fröhlich stimmt. Schon in der Zeit 600 v. Chr., als ein Großteil des Volkes Israel in der Babylonischen Gefangenschaft saß und von einem großen Heimweh nach der Heimat und dem Tempel befallen war, ritzten sich die jungen Männer als Zeichen ihrer Liebe und Treue die Namenszüge ihrer Geliebten oder Frau in die Haut. In diesem Zusammenhang muss man lesen, was im Buche des Propheten Jesaja als Gottes Rede geschrieben steht: „Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir.“
Gott liebt sein Volk wie ein Liebender seine Braut. Er liest in seiner Hand den Grundriss der heiligen Stadt und des Tempels. Alles soll wieder gut werden. Auch Gott hat Sehnsucht nach seinem geliebten Volk und sehnt sich nach den Gottesdiensten im Tempel zu Jerusalem.
Über 600 Jahre später verhaften römische Soldaten Jesus von Nazareth und werfen ihn in ein Gefängnis. Er wird von Römern und Männern des eigenen Volkes gefoltert, durch einen ungerechten Prozess geschleppt und zum Tode verurteilt. Dann treibt man Nägel durch seine Hände und Füße, um ihn ans Kreuz zu schlagen. So gezeichnet stirbt er. Für uns, für dich und mich, für alle. Bis heute halten sich Menschen auf der ganzen Erde diese Zeichen der Liebe vor Augen und wissen sich aus aller Schuld, Selbstverachtung und Gottesangst gerettet und befreit. „Wer‘s glaubt, wird selig.“ Wirklich. Gerettet, befreit, froh gemacht.
Johannes Hansen 
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