Die Passion Christi
Der nachfolgende Text steht bei Lukas in den Kapiteln 22 bis 24
Die Verschwörung gegen Jesus
Es waren nur noch wenige Tage bis zum Passahfest. Dieses Fest nennen die Juden auch das 'Fest der ungesäuerten Brote'. Nach wie vor suchten die Hohenpriester und Schriftgelehrten nach einer Gelegenheit, Jesus heimlich umzubringen; denn sie hatten Angst, dass es sonst zu Unruhen im Volk kommen würde.
Der Verrat
Zu der Zeit ergriff der Satan Besitz von Judas Ischarioth, einem der zwölf Jünger Jesu. Judas ging zu den Hohenpriestern und den Anführern der Tempelpolizei und beriet mit ihnen, wie sie Jesus unauffällig festnehmen könnten. Hocherfreut versprachen die Hohenpriester ihm eine Belohnung. Sie wurden sich einig, und Judas suchte nach einer Gelegenheit, Jesus ohne Aufsehen an seine Feinde zu verraten.
Vorbereitungen für das Passahfest
Es kam der Tag, an dem das Passahlamm geschlachtet werden musste. Deshalb gab Jesus seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag: "Bereitet alles vor, damit wir gemeinsam das Passahmahl essen können."
"Wo sollen wir denn das Fest feiern?" fragten sie. "Wenn ihr nach Jerusalem kommt", antwortete er, "wird euch ein Mann mit einem Wasserkrug begegnen. Geht ihm nach bis zu dem Haus, das er betritt. Sagt dem Hausherrn: 'Unser Meister bittet dich, uns den Raum zu zeigen, in dem er mit seinen Jüngern das Passahlamm essen kann.' Er wird euch im Obergeschoß in einen großen Raum führen, der mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet das Essen zu." Die Jünger gingen in die Stadt. Es kam alles so, wie Jesus es gesagt hatte. Und sie bereiteten dort das Fest vor.
Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl
Als die Stunde für das Passahmahl da war, nahm Jesus mit seinen Jüngern an der Festtafel Platz. "Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch das Passahmahl zu essen, bevor ich leiden muss", sagte er. "Ihr sollt wissen: Ich werde das Passahmahl erst wieder im Reich Gottes mit euch feiern. Dann hat sich erfüllt, wofür das Fest jetzt nur ein Zeichen ist." Jesus nahm den Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: "Nehmt den Becher und trinkt alle daraus. Denn ich werde keinen Wein mehr trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist." Dann nahm er das Brot. Er dankte Gott dafür, teilte es und gab es ihnen mit den Worten: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder. Denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot esst." Nach dem Essen nahm er den Becher mit Wein, gab ihn den Jüngern und sagte: "Dies ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird für euch zur Vergebung der Sünden vergossen. Aber mit uns an diesem Tisch sitzt der Mann, der mich verraten wird. Es ist der Wille Gottes, dass der Menschensohn sterben muss. Aber wehe dem Verräter!" Bestürzt fragte einer den anderen: "Wer von uns könnte so etwas tun?"
Wer ist der Wichtigste
Die Jünger stritten sich darüber, wem unter ihnen der erste Platz zusteht. Da sagte ihnen Jesus: "In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre Völker, und Diktatoren lassen sich als Wohltäter feiern. Aber so soll es bei euch nicht sein. Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muss allen dienen. Wer ist denn der Herr? Wer sich bedienen läßt oder wer dient? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr seid mir in diesen Tagen der Gefahr und der Anfechtung treu geblieben. Deshalb verspreche ich euch: Ihr werdet mit mir zusammen in meinem Reich herrschen, das mein Vater mir übergeben hat. Mit mir sollt ihr am selben Tisch essen und trinken und mit mir über die zwölf Stämme Israels Gericht halten."
Jesus kündigt die Verleugnung des Petrus an
Zu Petrus gewandt sprach Jesus: "Simon, Simon! Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!" "Herr, wie kannst du so etwas sagen?" fuhr Petrus auf. "Ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben." Doch Jesus sagte: "Petrus, ich sage dir: Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, dass du mich kennst."
Wie wird es weitergehen?
Jesus fragte seine Jünger: "Als ich euch damals ohne Geld, Tasche und Schuhe aussandte, habt ihr da Not leiden müssen?" "Nein, niemals!" beteuerten sie. "Jetzt aber nehmt das Geld, das ihr habt, und euer Gepäck", forderte er sie auf. "Wer keine Waffe besitzt, soll seinen Mantel verkaufen und sich eine beschaffen. Denn jetzt ist die Zeit da, in der sich auch dieses Wort an mir erfüllt: 'Man wird ihn wie einen Verbrecher behandeln.' Alles, was die Propheten von mir geschrieben haben, geht nun in Erfüllung." "Herr", riefen die Jünger, "wir haben hier zwei Schwerter." Doch Jesus unterbrach sie: "Genug damit!"
Im Garten Gethsemane
Begleitet von seinen Jüngern, ging Jesus nach dem Festmahl wieder hinaus zum Ölberg. Dort sagte er zu ihnen: "Betet darum, dass ihr der kommenden Versuchung widerstehen könnt!" Nicht weit von seinen Jüngern entfernt kniete Jesus nieder und betete: "Vater, wenn es möglich ist, bewahre mich vor diesem Leiden. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen." Da erschien ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. Als er dann zu seinen Jüngern zurückkehrte, schliefen sie, erschöpft von ihren Sorgen und ihrer Trauer. "Ihr dürft jetzt nicht schlafen", rüttelte Jesus sie wach. "Steht auf und betet, damit ihr der Versuchung widersteht!"
Verrat und Verhaftung
Noch während Jesus das sagte, kam ein Trupp Männer auf sie zu. Sie wurden von Judas, einem der zwölf Jünger, angeführt. Judas ging zu Jesus, um ihn mit einem Kuss zu begrüßen. Aber Jesus fragte ihn: "Judas, willst du den Menschensohn mit einem Kuss verraten?" Jetzt hatten auch die anderen Jünger begriffen, was hier vorging. Aufgeregt riefen sie: "Herr, sollen wir uns wehren?" Einer von ihnen zog auch gleich das Schwert und schlug auf einen Soldaten des Hohenpriesters ein. Er hieb ihm das rechte Ohr ab. Aber Jesus befahl: "Hört auf damit!" Er berührte das Ohr des Mannes und heilte ihn. Dann fragte Jesus die Hohenpriester, die Anführer der Tempelpolizei und die Führer des Volkes, die alle mitgekommen waren: "Bin ich denn ein Verbrecher, dass ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet habt, um mich zu verhaften? Warum habt ihr mich nicht im Tempel festgenommen? Ich war schließlich jeden Tag dort! Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht."
Petrus behauptet, Jesus nicht zu kennen
Die Soldaten verhafteten Jesus und führten ihn zum Palast des Hohenpriesters. Petrus folgte ihnen in sicherem Abstand. Im Hofe des Palastes zündeten sie ein Feuer an, um sich zu wärmen. Petrus setzte sich zu ihnen. Im Schein des Feuers bemerkte ihn ein Dienstmädchen und sah ihn prüfend an. "Der Mann war auch bei Jesus!" rief sie. Doch heftig widersprach Petrus: "Das ist unmöglich! Ich kenne den Mann überhaupt nicht!" Kurz darauf sah ihn ein anderer und meinte: "Na klar, du bist einer von seinen Leuten!" "Ausgeschlossen! Ich doch nicht!" wehrte Petrus ab. Nach etwa einer Stunde behauptete plötzlich wieder einer: "Der hier gehörte zu den Männern, die bei Jesus waren; man hört doch gleich, dass er auch aus Galiläa kommt." Aber aufgebracht stieß Petrus hervor: "Wovon redest du? Was meinst du eigentlich?" Da krähte ein Hahn. In diesem Augenblick wandte sich Jesus um und sah seinen Jünger an. Da erinnerte sich Petrus daran, dass Jesus zu ihm gesagt hatte: "Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, dass du mich jemals gesehen hast." Da ging Petrus hinaus und weinte sehr.
Die Soldaten misshandeln Jesus
Die Soldaten, die Jesus bewachten, verhöhnten und schlugen ihn. Sie banden ihm die Augen zu und spotteten: "Na, du Prophet! sage uns, wer hat dich gerade geschlagen?" In dieser Weise quälten sie ihn noch lange.
Jesus vor Gericht
Bei Tagesanbruch kamen die führenden Männer des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten zu einer außerordentlichen Gerichtsverhandlung zusammen. Sie fragten Jesus: "Bist du nun der Messias, der verheißene Befreier, oder bist du es nicht?" Er erwiderte: "Ihr glaubt doch nicht, was ich euch sage, und wenn ich euch etwas frage, dann antwortet ihr mir nicht. Schon bald wird der Menschensohn auf dem Platz an der rechten Seite Gottes sitzen." Empört schrieen alle: "Willst du damit etwa sagen, dass du der Sohn Gottes bist?" Jesus antwortete: "Ihr habt recht, ich bin es!" "Wozu brauchen wir da noch Zeugen?" riefen jetzt die Ankläger einmütig. "Alle haben seine Gotteslästerung gehört!"
Jesus wird an die Römer ausgeliefert
Nun erhoben sich die Mitglieder des Gerichtshofes und ließen Jesus zu dem römischen Gouverneur Pilatus bringen. Dort beschuldigten sie ihn: "Dieser Mensch hetzt unser Volk auf. Er redet den Leuten ein, dass sie dem Kaiser keine Steuern zahlen sollen. Und er behauptet von sich, er sei der neue König, den Gott geschickt hat." "Stimmt das?" fragte Pilatus den Angeklagten. "Bist du wirklich der König der Juden?" Jesus antwortete: "Ja, ich bin es!" Pilatus erklärte den Hohenpriestern und der ganzen Volksmenge: "Dieser Mann ist doch kein Verbrecher!" Aber sie widersprachen heftig: "Überall wo er hinkommt, von Galiläa bis hierher nach Jerusalem, hetzt er die Menschen auf."
Jesus wird von Herodes verhört
"Ist der Mann denn aus Galiläa?" fragte Pilatus. Als sie es bestätigten, sah er eine Gelegenheit, den Fall loszuwerden. Er befahl, Jesus zu König Herodes zu bringen, der die Provinz Galiläa regierte und sich während des Passahfestes auch in Jerusalem aufhielt. Herodes wollte Jesus schon lange kennen lernen. Er hatte viel von ihm gehört und hoffte, Jesus würde ihm ein Wunder vorführen. Der König stellte Frage um Frage, aber Jesus gab ihm keine einzige Antwort. Um so mehr redeten die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die mitgekommen waren und ihn immer heftiger beschuldigten. Auch Herodes und seine Soldaten ließen Jesus ihre Verachtung spüren. Sie hängten ihm einen Königsmantel um und schickten ihn wieder zu Pilatus. Herodes und Pilatus waren bisher erbitterte Feinde. Aber an diesem Tag wurden sie Freunde.
Das Todesurteil
Vor den Hohenpriestern, den Führern des Volkes und der versammelten Menge verkündete Pilatus: "Ihr habt diesen Mann zu mir gebracht und ihn beschuldigt, dass er die Menschen aufhetzt. Ich habe ihn vor euch verhört und bin zu dem Urteil gekommen: Dieser Mann ist unschuldig! Herodes ist derselben Meinung. Deswegen hat er ihn hierher zurückgeschickt. Der Angeklagte hat nichts getan, was mit dem Tode bestraft werden müsste. Ich werde ihn auspeitschen lassen, dann soll er frei sein." Pilatus begnadigte ohnehin in jedem Jahr am Passahfest einen Gefangenen. Da brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie mit einer Stimme schrie das Volk: "Weg mit diesem Jesus! Lass Barabbas frei!" Barabbas saß im Gefängnis, weil er sich an einem Aufstand in Jerusalem beteiligt hatte und wegen Mord angeklagt war. Noch einmal versuchte Pilatus, die Menge zu überzeugen; denn er wollte Jesus gern freilassen. Aber sie schrieen nur noch lauter: "Ans Kreuz mit ihm!" Pilatus versuchte es zum dritten Mal: "Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich finde nichts, worauf die Todesstrafe steht! Ich werde ihn also auspeitschen lassen. Dann soll er frei sein." Aber die aufgehetzte Menge brüllte immer lauter: "Kreuzige ihn!", bis Pilatus ihrem Schreien nachgab und ihre Forderung erfüllte. Barabbas ließ er frei; den Mann, der das Volk aufgehetzt hatte und wegen Mord angeklagt war. Jesus aber verurteilte er zum Tod am Kreuz, wie sie es gefordert hatten.
Auf dem Weg zur Hinrichtung
Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon, der gerade vom Feld kam. Er stammte aus Kyrene in Nord-Afrika. Ihn zwangen sie, mitzugehen und für Jesus das Kreuz zu tragen. Unzählige Menschen folgten Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung. In der Menge waren viele Frauen, die laut klagten und um Jesus weinten. Ihnen rief Jesus zu: "Weint nicht über mich, ihr Frauen Jerusalems! Weint über euch und eure Kinder! Die Zeit wird kommen, in der man sagt: 'Glücklich sind die Frauen, die keine Kinder haben.' Die Menschen werden sich danach sehnen, dass die Berge über ihnen zusammenstürzen und die Hügel sie bedecken, damit ihr Leid ein Ende hat. Wenn schon der Unschuldige so viel leiden muss, was haben dann erst die Schuldigen zu erwarten?"
Die Kreuzigung
Mit Jesus wurden zwei Verbrecher vor die Stadt geführt zu der Stelle, die man "Schädelstätte" nennt. Dort wurde Jesus ans Kreuz genagelt und rechts und links von ihm die beiden anderen. Aber Jesus betete: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Unter dem Kreuz verlosten die Soldaten seine Kleider. Neugierig stand die Menge dabei, denn sie wollte sich nichts entgehen lassen. Und die führenden Männer des Volkes verhöhnten Jesus: "Er hat so vielen geholfen! Wenn er wirklich der von Gott gesandte Befreier ist, dann soll er sich jetzt doch selber helfen!" Auch die Soldaten verspotteten ihn. Sie gaben ihm Essig zu trinken und riefen ihm zu: "Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich doch selbst!" Oben am Kreuz nagelten sie ein Brett an. Damit jeder es lesen konnte, stand dort in den Weltsprachen Griechisch, Hebräisch und Latein: "Dies ist der König der Juden!" Auch einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, lästerte: "Bist du nun der Messias? Dann beweise es! Hilf dir selbst und uns!" Aber der am anderen Kreuz wies ihn zurecht: "Fürchtest du Gott nicht einmal jetzt, kurz vor dem Tod? Wir hängen hier zu Recht. Wir haben den Tod verdient. Der hier aber ist unschuldig; er hat nichts Böses getan." Zu Jesus sagte er: "Herr, denke an mich, wenn du in dein Königreich kommst!" Da antwortete ihm Jesus: "Ich versichere dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein."
Jesus stirbt am Kreuz
Am Mittag wurde es auf einmal im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis dauerte drei Stunden. Plötzlich zerriss der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste vor den Menschen verbergen sollte, von oben bis unten. Jesus schrie noch einmal laut auf: "Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist!" Dann starb er. Erschüttert bekannte der römische Offizier, der die Hinrichtung beaufsichtigt hatte: "Dieser Mann war wirklich unschuldig!" Betroffen kehrten die Menschen, die ein Schauspiel erleben wollten, in die Stadt zurück. Die Freunde Jesu und die Frauen, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, hatten aus einiger Entfernung alles mit angesehen.
Jesus wird begraben
Joseph, ein Mann aus Arimathia, einer Stadt in Judäa, ging zu Pilatus und bat ihn, den toten Jesus begraben zu dürfen. Er war Mitglied des Gerichtshofes und ein guter und gerechter Mensch, der auf das Kommen des verheißenen Befreiers wartete. Er hatte nicht zugestimmt, als der Gerichtshof beschloss, Jesus hinrichten zu lassen. Er nahm Jesus vom Kreuz, wickelte den Toten in ein großes Leinentuch und brachte ihn in ein neu angelegtes Felsengrab. Das alles geschah am späten Freitagnachmittag, unmittelbar vor Beginn des Sabbats. Mit Joseph gingen auch die Frauen, die Jesus aus Galiläa gefolgt waren. Sie sahen zu, wie man den Toten in das Grab legte. Dann kehrten sie in die Stadt zurück, um dort Öle und Salben für die Einbalsamierung vorzubereiten. Wie es das jüdische Gesetz verlangt, verbrachten sie den Sabbat in aller Stille.
Jesus lebt
Ganz früh am Sonntagmorgen gingen die Frauen mit den Salben, die sie zubereitet hatten, zum Grab. Der Stein, mit dem man es verschlossen hatte, war zur Seite gerollt. Zögernd betraten sie die Grabhöhle. Sie war leer. Verwirrt überlegten sie, was sie jetzt tun sollten. Da traten zwei Männer in glänzend weißen Kleidern zu ihnen. Die Frauen erschraken und wagten nicht, die beiden anzusehen. "Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" wurden sie von den Männern gefragt. "Er ist nicht hier; er ist auferstanden! Habt ihr vergessen, was er euch in Galiläa gesagt hat: 'Der Menschensohn muss den Gottlosen ausgeliefert werden. Sie werden ihn kreuzigen, aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.'" Da erinnerten sich die Frauen an diese Worte Jesu. So schnell sie konnten, liefen sie in die Stadt zurück, um den elf Jüngern und den anderen Freunden Jesu zu berichten, was sie erlebt hatten. Zu den Frauen gehörten Maria aus Magdala, Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus. Aber den Jüngern erschien das alles so unwahrscheinlich, dass sie den Frauen nicht glaubten. Nur Petrus sprang auf und lief zum Grab. Als er hineinschaute, fand er außer den Leinentüchern nichts. Nachdenklich ging er in die Stadt zurück.
Jesus begegnet zwei Jüngern
Am selben Tag wanderten zwei Jünger nach Emmaus, einem Dorf, das ungefähr zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Unterwegs redeten sie über nichts anderes als über die Ereignisse der letzten Tage. Während sie miteinander sprachen, gesellte sich Jesus zu ihnen. Aber - wie mit Blindheit geschlagen - konnten sie ihn nicht erkennen. "Worüber unterhaltet ihr euch?" fragte sie Jesus. Die Jünger blieben traurig stehen, und verwundert bemerkte Kleopas, einer von den beiden: "Ich glaube, du bist der einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage gehört hat." "Was ist denn geschehen?" wollte Jesus wissen. "Du hast nichts von Jesus gehört, dem Mann aus Nazareth?" antworteten die Jünger. "Er war ein Prophet, den Gott geschickt hat. Jeder im Volk konnte das an seinen Worten und aten erkennen. Aber unsere Hohenpriester und die Männer vom Hohen Rat haben ihn an die Römer ausgeliefert. Er wurde zum Tode verurteilt und dann ans Kreuz geschlagen. Dabei hatten wir gehofft, dass er der von Gott verheißene Retter ist, der Israel befreien sollte. Das war vor drei Tagen. Heute morgen wurden wir sehr beunruhigt durch einige Frauen, die zu uns gehören. Schon vor Sonnenaufgang waren sie zum Grab gegangen; aber sein Leichnam war nicht mehr da. Ihnen seien Engel erschienen, die sollen gesagt haben: 'Jesus lebt!' Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen. Es war tatsächlich leer, wie die Frauen berichtet hatten. Aber Jesus haben sie nicht gesehen." Darauf sagte Jesus zu ihnen: "Wie unverständig seid ihr doch! Warum begreift und glaubt ihr nicht, was die Propheten vorhergesagt haben? Musste Christus nicht all dies erleiden, bevor Gott ihn zum Herrn über alles einsetzt?" Dann erklärte ihnen Jesus, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird - von den Büchern Mose angefangen bis zu den Propheten. Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus. Es sah aus, als wollte Jesus weitergehen. Deshalb drängten ihn die Jünger: "Bleibe doch über Nacht bei uns! Es wird ja schon dunkel." So ging er mit ihnen ins Haus. Als sie sich zum Essen gesetzt hatten, nahm Jesus das Brot, dankte dafür, teilte es in Stücke und gab es ihnen. Da plötzlich erkannten sie ihn. Doch er verschwand vor ihren Augen. Jetzt fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen: "Haben wir nicht im Innersten gespürt, dass es Jesus ist, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Verheißungen der Heiligen Schrift erklärte?" Ohne Zeit zu verlieren, liefen sie sofort nach Jerusalem zurück. Dort waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen. Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: "Der Herr ist auferstanden! Er ist tatsächlich auferstanden! Petrus hat ihn gesehen!" Nun erzählten die beiden, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und dass sie ihren Herrn daran erkannt hatten, wie er das Brot austeilte.
Der Auferstandene erscheint seinen Jüngern
Noch während sie berichteten, stand Jesus plötzlich mitten im Kreis der Jünger. "Friede sei mit euch!" begrüßte er sie. Die Jünger erschraken furchtbar. Sie dachten, ein Geist stünde vor ihnen. "Warum habt ihr Angst?" fragte Jesus. "Wieso zweifelt ihr daran, dass ich es bin? Seht doch die Wunden an meinen Händen und Füßen! Ich bin es wirklich. Hier, fasst mich an und überzeugt euch, dass ich kein Geist bin. Geister sind doch nicht aus Fleisch und Blut." Und er zeigte ihnen seine Hände und Füße. Aber vor lauter Freude konnten sie es noch immer nicht fassen, dass Jesus vor ihnen stand. Endlich fragte er sie: "Habt ihr etwas zu essen hier?" Sie brachten ihm ein Stück gebratenen Fisch, den er vor ihren Augen aß. "Erinnert euch daran", sagte er seinen Jüngern, "dass ich euch oft gesagt habe: 'Alles, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss sich erfüllen.'" Dann erklärte er ihnen, wie sie die Prophetenworte verstehen könnten. "Dort heißt es doch: Der Messias muss leiden und sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen. Alle Völker sollen hören: Es gibt Vergebung der Sünden für jeden, der zu Gott umkehrt. Das soll zuerst in Jerusalem verkündet werden. Ihr selbst habt miterlebt, dass Gottes Verheißungen in Erfüllung gegangen sind. Ihr seid meine Zeugen. Ich werde euch Gottes Heiligen Geist geben. Bleibt hier in Jerusalem, bis ihr mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet werdet!" Jesus führte seine Jünger von Jerusalem nach Bethanien. Er segnete sie mit erhobenen Händen und nahm Abschied von ihnen. Und während Gott ihn in den Himmel zu sich nahm, fielen die Jünger vor ihm nieder und beteten ihn an. Danach kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück. Immer wieder gingen sie in den Tempel, lobten und dankten Gott.

|