Ich glaube, also bin ich gesandt in alle Welt
Ein Licht muss nicht sagen, dass es leuchtet. Wer von diesem Evangelium angesteckt ist, wird es weiterbringen, wo immer er hinkommt.
Jesus sagt: »Das Evangelium wird verkündigt werden in der ganzen Welt« (Matthäus 24,14). Nicht wir, nicht die Gemeinde oder eine Kirchenleitung oder eine Missionsgesellschaft garantiert die Verkündigung, sondern es ist der Herr Jesus selber, der durch die Zeiten geht, Menschen ruft, sie erleuchtet, sie begabt und durch die Gemeinde aussendet zum Dienst. Er will Menschen finden und bei ihnen Wohnung nehmen. Darum werden auf tausendfache Weise Menschen dieses Evangelium hinaustragen. Wir müssen nie Sorge haben, ob das Evangelium verkündigt wird; wir brauchen uns nur darum zu sorgen, dass wir bei Jesus bleiben. Wir brauchen nur zu glauben. Alles andere wird er durch uns und manchmal auch gegen uns tun.
Während einer Mitarbeitertagung in Hannover sollte jeder erzählen, wie er zum Glauben kam und warum er Mitarbeiter wurde. Da passierte etwas Schönes: Bei keinem war irgend etwas Besonderes; der ganz normale Gemeindealltag hatte diese Mitarbeiter zum Glauben geführt. Es waren ganz einfache Klärungen und Gespräche, die bewirkten, dass sie in der Gemeinde mitmachten. Ein Superintendent, von dem man nun einige besondere Ausführungen erwartet hatte, sagte einfach: »Und ich kam dazu, weil unser Hausmädchen abends immer Bibel las. Daraufhin habe ich das auch gemacht, obwohl ich erst zwölf Jahre alt war. Und so kam ich zum Glauben und zur Gemeinde und arbeite bis heute mit!«
So können wir ganz getrost sein: Unser Herr wird seine Kirche voranbringen und zu seiner Zeit Umbrüche und Aufbrüche schaffen, dass wir uns wundern werden. Er entlässt uns nicht aus der Mühe um Mission und Gemeindeaufbau, um theologische Klärungen und Strategien. Aber er wird in allen Mühen und Fragen sein Werk haben. Und er braucht nicht zuerst eine Elitetruppe, damit etwas aus seiner Kirche wird, sondern er wird die Gaben und Aufgaben geben und wird weiterführen.
Das Zeugnis vom Evangelium setzt immer im kleinsten an: Wie wir unser Leben gestalten, unsere Zimmer ordnen, unsere Zeiten einhalten, wie wir mit den Dingen und mit der Natur, mit Menschen und Genussmitteln umgehen, das hat alles Auswirkungen. Die Weltmission beginnt nicht auf der Kanzel, sondern in der kleinsten Begegnung. Christen bekommen seltsamerweise den Blick für die kleinen Dinge, für die kurzen Augenblicke und für den geringsten Dienst. Das Große hat keine Verheißung, sondern das Kleine. Nicht alles, was klein ist, ist schon von Gott gesegnet, aber wenn er etwas segnet, ist es meistens klein. Jesus wies auf die Kinder hin, die Kleinsten, die zu ihm kamen!
Wir werden unsere Fehler machen. Das geht nicht anders. Ich will ja keine Fehler machen, aber selbst mit bestem Wollen werde ich etwas falsch machen. Wenn dann jemand sagt: »Du, das ist falsch gewesen!«, dann lasst uns das einfach zugeben und um Vergebung bitten. Genau dieses Eingeständnis der eigenen Schwäche und der Fehler gehört zum überzeugenden Zeugnis des Christen. Christen können um Vergebung bitten. Sie leben nur aus der Vergebung. Und in dieser Haltung sind sie überzeugend.
Christen wollen und können ja gar nicht "darauflossündigen", aber wenn da Schwächen und Mängel sind, werden sie um Vergebung bitten. Darin sind sie überzeugend: Wir leben aus der Vergebung.
Von hieraus wächst die Bereitschaft, auch anderen zu vergeben. Allerdings: Wenn etwas falsch gelaufen ist, muss das, wenn es irgend geht, unter vier Augen geklärt werden. Fehler müssen so genannt werden. Aber Christen tun dies immer mit dem Ziel, dass Schuld vergeben wird, denn im Glauben an Jesus Christus ist die Schuld am Kreuz längst getragen.
Das Zeugnis der Christen hat einen einzigartigen Glanz: Sie kommen aus der Vergebung und stehen dafür ein, dass überall Vergebung geschieht.
Das ist dann auch der Grund, warum man bei Christen offen sein darf, warum man nicht ständig Angst haben muss, etwas falsch zu machen. Christen haben die Vollmacht, Sünde zu vergeben. Was ist das für eine schöne Lebenshaltung zum Aufatmen, wenn ich weiß, ich kann mal zu dem und dem Christen gehen und mit ihm über meine Schuld sprechen. Und der verurteilt mich nicht, sondern rät mir und spricht mir im Namen Jesu die Vergebung zu?!
Wie oft bekomme ich Anrufe von Menschen, die nicht fertig werden mit dunklen Dingen in ihrem Leben. Und was ist das heilend, wenn ich ihnen entweder am Telefon die Vergebung zusprechen kann oder raten kann: »Gehen Sie mal zu dem und dem, der bei Ihnen wohnt, der kann beten und Ihnen die Vergebung zusprechen!«
In diese Großtat der Versöhnung gehört die Einladung zum Heiligen Abendmahl! Das Abendmahl hat nun wirklich nichts mit lautstarken Argumenten zu tun. Es wird in der ganzen Welt still und mit Liebe und Andacht gefeiert. Aber unterschätzen wir dieses stille Mahl nicht: Von dem Tisch des Herrn geht eine Wirkung aus, von der kein Welteroberer etwas zu träumen wagt. Die Mächtigen dieser Welt erreichen vielleicht den Willen der Menschen, aber das Liebesmahl Jesu, das unentwegt in seiner Kirche gefeiert wird, erreicht die Herzen in der tiefsten Tiefe. Und dann geschieht im Verborgensten das Größte!
Unser Herr sendet seine Jünger, seine ganze Kirche in die Welt. Manchmal frage ich mich, ob wir nicht zuviel in Kirchenräumen sind. Gewiss: Wir freuen uns an unseren Kirchen und Domen, an den Kathedralen und an den Gemeindehäusern. Und wir wollen unseren Gottesdienst feiern als Abbild des himmlischen Festes. Gleichzeitig höre ich immer das Wort Jesus: »Geht hin!«
Die Menschen, die er liebt und will, sind da, wo sie sind: In ihren Wohnungen, in Werkstätten und Kneipen, in Büros und Chefetagen, in Clubs und Hotels, in Autos und Flugzeugen, auf den Straßen der großen Städte. Geht hin!
Jesus ging an den See Genezareth. Dort begann er das Gespräch. Auf der Straße, im Taxi, im Hallenbad, in einem Restaurant usw. kommt man ins Gespräch. Man muss nur abwarten: Irgendwann kommen wir auf Hintergründigkeiten. Ich bin schon immer gespannt, wie es diesmal geht. Es muss ja nicht immer gelingen, und wir müssen nicht jedes Mal das ganze Heil an einem Abend verhandeln, aber es ist mir, als ob unser Herr sich selber daran freut, wie er jetzt wieder sein Heil ins Spiel bringt.
Von Konrad Adenauer geht das Wort um: »Der liebe Jott ist immer am Füjen dran.« So ist es! So geschieht seine Sendung, wo immer wir hingehen. Deshalb können wir auch große Tagungen und Evangelisationen, Konferenzen und Kongresse durchführen; da hat er auch sein Werk.
Die Frage nach der Weltmission wird noch einmal neu gestellt werden, aber wohl anders als im letzten Jahrhundert. Damals brachten wir den Menschen im Süden, was wir hatten. In der nächsten Runde werden sie mitbringen, was sie haben, und wir werden mit ihnen viel teilen müssen.
Klaus Vollmer

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