Gott fängt klein an
Jürgen Werth
Gott fängt immer klein an, ganz klein. Aus dem Nichts macht er die Welt. Aus einer Handvoll Erde macht er die Menschen. Aus einem klitzekleinen Senfkorn macht er einen respektablen Strauch.
Immer fängt Gott ganz klein an. Sein Reich in dieser Welt beginnt mit allzu menschlichen Menschen. Mit Abraham, „einem umherziehenden Aramäer“, wie das Alte Testament notiert. Mit Mose und mit David, angefochtenen und anfechtbaren Gottesmännern. Und vor allem mit dem kleinen Kind in der Krippe, Jesus von Nazareth. Eigentlich kein Sohn von Maria und Joseph. Gottes Sohn. Er selbst. Mitten in dieser Welt.
Gott fängt klein an. Damit niemand sagen kann: Du bist mir zu groß. Gott fängt schwach und verletzlich an. Damit niemand sagen kann: Du bist mir zu stark. Gott fängt niedrig an. Damit niemand sagen kann: Du bist zu weit weg für mich.
Man findet Gott nicht nur, wenn man in die Höhe schaut. Man findet Gott, wenn man nach unten schaut. Gott hat sich klein gemacht. Ganz klein. Ist uns in unsere tiefsten Tiefen nachgestiegen. Will uns ganz nahe sein, will uns verstehen, will uns wirklich helfen können. Nachhaltig helfen. Und dann baut er aus vielen kleinen Menschen sein Reich. Und das ist größer, als wir's uns in unserer größten Fantasie vorstellen können.
Und wir können dabei sein, Sie und ich!
(aus "antenne", erf-Programm-Zeitschrift 11-03)

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