Gottes Linke
Über deine Huld, o Gott, denken wir nach in deinem heiligen Tempel. Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit.
Psalm 48,10-11
Du bist der Gott der Mehrheit. Bist du der Gott der Mehrheit? Die Mehrheit schreibt mit der rechten Hand. Hin und wieder ist die Mehrheit überhaupt rechts, denkt rechts, wählt rechts. Manchmal sogar rechts außen, doch da sollen sich die C-Politiker distanzieren. Und schämen. Aber wenn die Rechte voller Gerechtigkeit wäre, was dann?
Die Rechte Gottes, mein Lieber, nur die rechte Hand Gottes ist gemeint. Du kleiner Linker, möglicherweise braucht er auch dich, er, der Herr der Hände. Es ist nicht so, wie du manchmal im Text aufsagst, dass Christus keine Hände hat. Er hat eigene Hände und zieht dich manchmal aus dem Sumpf, aus dem linken, aus dem rechten. Er hat eigene Hände, denn er handelt wunderbar. Er hat aber auch deine Hände, die linke und die rechte. Er bringt mit deinen Händen Liebesbriefe und Mahnschreiben unters Volk. Er interessiert sich nicht zuerst für die parteipolitische Schublade deines Handelns, sondern will, dass auch deine Hand voll ist von Gerechtigkeit. Nicht voll von Blut, nicht voll von Profit, meinetwegen dreckverschmiert und unentschlossen, wie so oft, aber eben doch: voller Gerechtigkeit. So mag deine Linke seine Rechte sein, wenn du nur glaubst.
Du stehst vor ihm mit leeren Händen. Er aber steht vor dir mit vollen Händen und schüttet aus seine Gerechtigkeit. Daran werden sie erkennen, wessen Hand du bist. Und: in wessen Hand du bist.
Michl Graff

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