No German Angst
Im angloamerikanischen Bereich ist im Blick auf uns Deutsche der seltsame Slogan „German Angst“ entstanden. Wobei hier das Wort Angst phonetisch deutsch gesprochen wird. Da kann einem der Schreck in die Glieder fahren, doch das könnte ja schon wieder ein Beispiel für die „German Angst“ sein. Die Angst sei „typisch deutsch“ soll der Slogan bedeuten. Also eine angeblich deutsche Besonderheit - die Neigung zum Grübeln, zur Besorgtheit, zur Zögerlichkeit und darum auch zur Entscheidungsschwäche. Längst wird in Deutschland darüber nachgedacht, wie dieses Urteil bzw. Vorurteil entstehen konnte und welche reale Basis es möglicherweise hat. Es gibt in einem deutschen Verlag ein Buch mit dem Titel: „German Angst.“ Es ist ein kluges und anerkanntes Buch.
Dort und anderswo sind die Psychoanalytiker und Philosophen am Werk und gehen die Möglichkeiten durch. Mich hat besonders nachdenklich gemacht, dass kluge Menschen die „German Angst“ mit einer Schuldneurose verbinden, die tief im Wesen der Deutschen sitze. Es könne zu tun haben mit den Folgen der Verdrängung unserer deutschen Vergangenheit: Zwei Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945. Die geistige Vergiftung durch den Nationalsozialismus und der Holocaust mit der grauenhaften Ermordung von 6 Millionen Juden. Danach die lange Teilung unseres Volkes in Ost und West mit der Fortsetzung der Diktatur im Osten, dort zwar unter anderen Vorzeichen, aber ebenso menschenverachtend und gottlos. Gott sei Dank beendete der „Mauerfall“ (1989) diese schreckliche Zeit.
Es ist schon eine riesige Schuldkatastrophe, die nicht nur einzelne Seelen, sondern die Seele eines ganzen Volkes, sogar nachfolgender Generationen krank machen kann. Vor allem, weil sich ein ganzes Volk beim Aufräumen des Schutts und dem Neuaufbau der Städte und der Industrie keine Zeit der Besinnung leistete. Die Umkehr zu Gott fand nicht statt. Man wollte die Vergangenheit „nicht immer wieder aufwärmen“. Das aber hat Folgen. Verdrängung schafft Neurosen.
Wir beginnen gemeinsam und persönlich das Jahr 2009. Das Fest der Geburt Jesu wurde gerade wieder gefeiert. Gott ist angekommen bei uns im Kind Jesus, der als der Christus Gottes alles für alle ist, dass wir wieder „Kinder Gottes“ sein können. „Frohe Ostern“ sagte ich aus Versehen am Heiligen Abend zu einer jungen Frau in der Kirche. Wir lachten beide los, doch der Versprecher hatte es ja in sich. Weihnachten und Ostern sind beides Marksteine der Liebe Gottes. Einer Liebe die nicht verdrängt, sondern die aufdeckt und mit Vergebung zudeckt, was belastet.
So können wir mit Zuversicht und Gottvertrauen in das Jahr 2009 gehen. 365 Tage, Schritt für Schritt im Vertrauen auf Gott. No German Angst! Gottvertrauen ist ein Himmelsgeschenk auch für 2009.
Johannes Hansen
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