Ein jeder trage
die Last des andern
Ich sehe das Bild immer noch vor mir. Ein junges Paar, er um die dreißig Jahre, sie Mitte zwanzig. Er stieg aus dem Wagen, bückte sich in der rechten Tür tief nach unten und trug seine schöne Frau in den Armen. Er legte sie sorgfältig auf seinen Rücken, sie schlang ihre Arme um seinen Nacken und so trug er sie ins Haus und die Treppe hoch in den zweiten Stock. Die Nachbarn wussten, dass die junge Frau bald nach Beginn der Ehe von der Multiplen Sklerose (MS) erfasst wurde. Passanten, die es sahen, waren bei diesem Anblick zuerst erschrocken und dann sichtlich bewegt. Es ist inzwischen Jahre her, doch sie sind immer noch beisammen. Ich kenne sie nicht persönlich, doch ich weiß um sie. Er schiebt sie oft im Rollstuhl durch die Straßen der Stadt.
Dieses auffällige Beispiel darf nicht verdrängen, dass es viele Lastenträger unter uns gibt, die kaum auffallen, sie tun ihre Hilfsdienste an den Betten ihrer schwer kranken Ehepartner, oder bei der Pflege der Eltern bis zum Sterben. Inzwischen gibt es Pflegedienste, deren Kleinwagen wir in den Straßen und vor den Häusern sehen. Doch es gibt noch viel zu tun in den Familien und viele tun ihre Arbeit oft bis an den Rand ihrer körperlichen und seelischen Kräfte.
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