Robert Enke ist gestorben.
Eine seltsame Bewegung geht durch unser Land und sie hält noch an. Man hat kaum einmal eine so weit um sich greifende Teilnahme am Sterben eines Menschen erlebt wie in diesen Tagen. Während ich diese Worte schreibe, meldete gerade RTL, dass am Sonntag eine riesige Trauerfeier im Stadion von Hannover stattfinden wird. Ob Gottesdienst oder ein Großtreffen, Näheres ist zur Stunde noch nicht bekannt. Doch wird bereits angesagt, dass es die größte Trauerversammlung seit dem Sterben von Konrad Adenauer sein wird. noch nicht bekannt. Der Sarg soll auf dem Spielfeld aufgebahrt werden. Die Kameraden Robert Enkes werden den Sarg aus dem Stadion tragen. Es wird gewiss eine bewegende Stunde sein.
Der überaus fähige Torwart Robert Enke, der zur Reihe der Männer gehörte, die für die Weltmeisterschaft in Südafrika vorgesehen waren, hat einen seelischen Supergau erlitten, dessen Entwicklung lange Jahre verdrängt und verschwiegen wurde, leider auch von ihm selbst. Er wagte es nicht, das Tabu zu brechen, mit dem die schwere Krankheit mit Namen Depression in unserer Gesellschaft belegt ist. Seine Frau sagte tapfer, dass sie es mit Liebe versucht hätte, ihm zu helfen, doch habe auch dieses am Ende nicht geholfen. So starb der so tief traurige Mann auf den Schienen im Raum Hannover.
Was haben wir zu lernen? Depressionen sind zu behandeln und zu heilen. Wir dürfen aus seelischen Erkrankungen kein Tabu machen. Wir brauchen Menschen, denen wir uns anvertrauen können. Wir können uns Ärzte suchen, die uns nicht nur als Körper betrachten. sondern als Menschen, die eine Biografie und eine Seele haben. Wir dürfen wissen, dass wir bei Gott alles in radikal ehrlichen Gebeten aussprechen können. Gott ist kein Moralist, sondern der Zurechtbringer für jeden. Uns gilt die klare Beauftragung: „Werde wach und stärke das andre, das sterben will.“ (Offenbarung 3, 2)
Johannes Hansen
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