Graf Leo Tolstoj
für Christen und Atheisten
Der große Russe Leo Tolstoj, der durch ein dramatisches Leben ging, große Werke wie „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“ schrieb, in tiefen Krisen zum Glauben an Gott fand, hat einen weisen Gedanken hinterlassen, der für Christen und Atheisten gleichermaßen nachdenkenswert ist. Man sollte sich diesen Rat in Kopf und Herz zergehen lassen. Er kann „ein guter Rat in Glaubensfragen“ genannt werden.
„Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn einer an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.“
Vornehm geredet darf man sagen, dass es sich um einen bedeutenden „erkenntnistheoretischen“ Satz handelt, den man für diskussionswürdig halten kann. Es geht aber auch ganz einfach wie folgt: Wir Menschen halten es ohne einen starken Halt nicht aus, darum machen wir uns Ersatzteile und nennen sie Gott. In diese tiefe Lebenslücke passt eigentlich alles an Füllmaterial, was es so gibt. Um bei den greifbaren Sachen zu beginnen, hier eine Liste, die reichlich zu ergänzen ist: Geld, Macht, Einfluss, Anerkennung, Stolz, Sex, Gier, Automobil, Haus und Hof und so weiter und so fort. Es folgt eine Auswahl würdigerer Inhalte, die ebenfalls nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Werte, Moral, Tiefe, Seelentrost, Sehnsucht, Religiosität, Meditation, Innerlichkeit, sogar Kirchlichkeit kann es sein. Immer hinein in das Loch im Leben.
Das sind übertragen die Götter aus Holz, die Leo Tolstoj meinte. Man erkennt sie daran,
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