Befreiende Worte
„Worte sind Schall und Rauch“, sagt der oft zitierte Volksmund und meint, sich damit über vieles einfach hinwegsetzen zu können. Gewiss gibt es leere, gemeine und böse Worte, auch Flüche, doch will ich auf befreiende und heilende Worte kommen. Jeder wird sich an Sätze erinnern, die sein Leben geprägt und in eine neue Richtung gebracht haben. Da sagt jemand zum andern: „Du, ich liebe dich“ und seit Jahren haben sie Kinder und sind eine Familie. Eine Nachbarin sagt zur anderen: „Ich freue mich, dass es dich gibt“ und eine Freundschaft beginnt, die das Leben beider Menschen wertvoll macht. In den Konflikten des Alltags hat schon unzählbar oft der kleine Satz „Bitte, verzeih‘ mir“ Versöhnung gewirkt. Es gibt noch viele Sätze dieser Art, Sätze, die große Kraft in sich tragen.
In einer Jesusgeschichte sagt ein Vornehmer zu Jesus: „Herr, ich bin nicht wert, dass du in mein Haus kommst, doch sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ (Lukas 7, 7) In der Liturgie der Kirche entstand daraus der Satz, der mich tief anrührt, so oft ich ihn höre: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Die Seele ist kein Organ wie die Nieren, sondern es ist damit der Mensch gemeint, in seiner Gesamtheit vor Gott.
Doch gibt es Sätze, die wie aus einer anderen Welt kommen, aber ganz irdische Folgen haben. Als ich noch jung war, hat mir ein älterer Freund einen Satz des Propheten Jesaja zugesprochen, der mich um und umgekehrt hat: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43,1) Damit begann mein Glaube und mein Leben als junger Christ. Nichts mit Heiligenschein und Verlust des Verstandes, sondern es ging eine Tür vor mir auf, in ein schon zu ebener Erde ganz neues Leben.
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