12. Juli 2015

Die nächste Ausgabe von Atemholen finden Sie hier am 9. August. Weil die gott.net-Seiten komplett umstrukturiert werden müssen, zeigen wir in den Sommer-Monaten Interessantes aus unserem Archiv.

Buch zum Thema

160 Seiten, gebunden
Format 12,5 x 18,7 cm
Bestell-Nr. 61114
jamarkt@gott.net
nur 9,99 Euro
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Johannes Hansen

Jesus und der Zweifler

Er hieß Nathanael. Im ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums ist von ihm die Rede (Verse 29 bis 51). Aus den geschilderten Umständen lässt sich schließen, dass er ein in religiösen Fragen kritischer Mann war. Kein Atheist - die gab es damals noch nicht, der Atheismus ist eine historisch viel spätere Absetzbewegung von Gott, die in Europa begann. Ein international bekannter Kirchenführer, ein afrikanischer Bischof sagte mir einmal, es handle sich um eine „Geisteskrankheit“ der Europäer. Nathanael war ein Zweifler mit der Tendenz zum Skeptiker. »weiterlesen 

Michl Graff
Auf eine Tasse Tee bei Jesus

Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt:
Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.
(Johannes 1,38-39)

Hatte der Herr eine Sonnenuhr über der Tür? Woher wussten die Kameraden denn, wie spät es ist? Jedenfalls bleiben sie nicht den ganzen Tag. Wer um die zehnte Stunde kommt, kommt relativ spät. Der Lichttag wurde damals in zwölf Stunden eingeteilt, gerechnet vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Die Gäste sind höfliche Leute. Sie kommen, wie man so sagt, auf einen Sprung vorbei. Kommt und seht.

Nicht zu viel und nicht zu wenig also, sagen wir mal, eine Tasse Tee beim Herrn. Mal sehen, was daraus wird. Unverbindlich vorbeischauen. Keine Schwellenangst haben müssen. Nur mal so schnuppern. Daraus wird möglicherweise eine große Geschichte. Aber das ist nicht von vornherein gesagt und schon gar nicht als Bedingung formuliert. Zunächst ist alles offen. Man darf sogar auf die Uhr schauen, ohne als unhöflich zu gelten.

In einem Dreizeiler (»Einladung zu einer Tasse Jasmintee«) beschreibt Reiner Kunze dieses Glück: »Treten Sie ein, legen Sie ihre / Traurigkeit ab, hier / dürfen Sie schweigen«.