9. August 2015

Die nächste Ausgabe von Atemholen finden Sie hier am Sonntag,
6. September.
Weil die gott.net-Seiten komplett umstrukturiert werden müssen, zeigen wir in den Sommer-Monaten Interessantes aus unserem Archiv.

Als Jesus sah, dass sie folgten, fragte er: Was wollt ihr? Sie sagten: Wo wohnst du? Er aber antwortete: Kommt und seht!... »weiter

Für alle, die unterwegs sind.

Johannes Hansen
Das Problem der Toleranz 

Natürlich sind wir tolerant, was denn sonst? Wir akzeptieren jede Meinung und Lebensauffassung. Aus Prinzip. Leicht gesagt und ungeprüft. Da muss man genauer werden. Aus Prinzip tolerant sein, kann lebensgefährliche Folgen haben. Wenn alles richtig und gleich wichtig ist, ist schließlich nichts mehr richtig und wichtig. Alles löst sich auf wie der Schnee in der Sonne. Das hohe ethische Gut der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden muss mit Vernunft und Verstand und gewiss auch im Glauben gepflegt und gelebt werden. Es darf nicht sein, dass jemand sich tolerant nennt, weil er keine eigenen Überzeugungen hat und sich im Leben nur schlecht auskennt. Also aus Bequemlichkeit und Denkfaulheit tolerant. „Zum Kotzen“, sagt einer meiner Freunde da. Toleranz ist kein Wackelpudding. 

Toleranz kommt vom lateinischen Verb tolerare und bedeutet „ertragen“, „erdulden“, „aushalten“ oder auch „zulassen“. Wenn einer wirklich denkt und bewusst lebt, wird ihm bald klar, dass Toleranz in einem gesetzlichen und ethischen Rahmen verantwortet werden muss. Es ist absolut nicht intolerant, wenn jemand antisemitischen Sprüchen und Witzen hart widerspricht. Verantwortlich lebende Menschen in unserem Land werden nazistische Tendenzen und Parolen nicht tolerieren. Ich bin absolut nicht tolerant, wenn pädiophile Männer kleine Kinder missbrauchen. Übrigens, alles, was Böse ist und gegen die Gesetze geht, ist nicht zu tolerieren. 

Nach diesen Klarstellungen, die noch erweitert werden können, nun zur Toleranz im guten Sinne des Wortes und der ethischen Verpflichtung. »weiterlesen

Michl Graff
Wenn ich du wäre?

Du hast gut reden, sagt die Stimme am Telefon, was weißt du schon von meinen Problemen? Und das Gespräch ist beendet. Wie kommt es, dass wir einander so gern Ratschläge geben? Und welcher Teufel reitet uns, bedenkenlos vom Selbsterlebten auf andere zu schließen? Höhepunkt der gutgemeinten Unverfrorenheit: Wenn ich du wäre...

Nie bin ich du. Nie bist du ich. Immer sind es nur Annäherungsversuche, mal schüchtern, mal dreist, mal flüchtig, mal zupackend. Es ist viel, wenn wir einander aushalten und stützen, wenn wir einander über den Weg trauen. Warum der eine heiter und scheinbar mühelos die Jahre meistert, warum der andere sich schwertut mit allem, es bleiben ihr Leben und ihr Geheimnis, nur ihnen selbst mitunter offenbar, meist dunkel. »weiterlesen