Johannes Hansen
Jesus ist ganz anders

Manchmal muss man ein wenig aufräumen in der Mottenkiste der Religion. In diesem Zusammenhang sage ich: Auch in der Religion mit Namen Christentum. Ich unterscheide zwischen Christentum und Christenheit. Die Christenheit meint die Christen und Gemeinden, die sich zu Jesus, dem Bevollmächtigten Gottes bekennen. Das Christentum  bewegt sich in der Kultur und Gesellschaft rundherum. Leider verschwimmen hier manchmal die Grenzen, das eine schwappt in das andere, doch man darf es klären.

Der Jesus der Evangelien des Neuen Testamentes ist ganz anders, als sich ihn mancher vorstellt und die Traditionen vermittelt haben. Die Jesusbilder gehen von dem Heiland der Schlafzimmerbilder der lieben Oma von gestern bis zu dem Friedenskämpfer vergangener Jahre. Dazwischen tummeln sich jede Menge Assoziationen, die von komisch bis schrecklich reichen. Und auch die Atheisten im Lande tragen Bilder von Jesus mit sich. Vielleicht die eines gescheiterten Schwärmers.Was den Kritikern an Jesus nicht passte, war vor allem immer wieder seine Verbindung mit den Außenseitern, den Outlaws, wie man heute sagt. »weiterlesen

Michl Graff
Jesus

Nun halt doch mal endlich schön brav still, wir wollen dich betrachten, eine Aufnahme machen fürs Familienalbum, dich festhalten, fixieren. Jetzt sei doch nicht so unruhig, - siehst du, jetzt ist alles verwackelt, man wird dich später nur noch ganz unscharf erkennen, das hast du davon, Jesus!

Das Lukasevangelium überliefert ein Jesuswort, eines jener Worte, mit denen die Fachleute nicht viel anzufangen wussten: „Doch heute und morgen und übermorgen muss ich wandern.“ Das ist der widerspenstige, unartige Jesus, der sich uns entzieht, jedes Bild verwackelt, nicht ruhig auf dem Stuhl sitzen mag, der unterwegs ist zu Kranken und Sündern und zu wem nicht sonst noch alles. An ihn glauben wird immer heißen, ihm nachfolgen. Betrachtung schenkt bestenfalls Momentaufnahmen, dann ist er schon weiter. Er ist der Weg (Johannes 14,6). Von ihm reden heißt, von seinem Kommen und Gehen erzählen, ihm entgegengehen, ihn dann doch zu verfehlen, ein ander Mal überrascht werden, wie der Totgeglaubte durch verrammelte Türen eindringt, heimlich erwartet, und einfach lebt. »weiterlesen