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Johannes Hansen

Abenteuer Glaube

Als ich eine Buchhändlerin bat, für mich das Stichwort Abenteuer in der Suchmaschine aufzurufen, sah ich als erstes „Abenteuer Mathematik“ und als zweites „Abenteuer Steuerberatung“ -  und war bedient. Beides habe ich nie gekonnt. Was Mathematik angeht, stimme ich Johannes Baptist Kerner (ZDF) voll zu, der sagte, er habe in Mathe stets eine 6 minus gehabt.

Doch wie kann man im Ernst die beiden Phänomene Abenteuer und Glaube miteinander verbinden? Der Glaube ist doch ein stilles und in sich ruhendes Unternehmen. Meint man. Und ein Abenteuer ist doch alles andere als Stille und Besinnlichkeit.

So kann man sich täuschen. Vorweg schon mal die Feststellung, dass ein Menschenleben voller Abenteuer steckt, die ich hier nicht endlos aufzählen muss und mag. Nur eines muss wohl gesagt werden, weil es grundlegend für alles ist, was dann kommt:

Das Abenteuer Leben beginnt mit unserer Geburt. Da muss ein kleines Menschlein durch den engen Geburtskanal der Mutter hinaus ans Licht der Welt. Für uns war es ein unwiederholbares Abenteuer. Auch wenn wir uns nicht konkret erinnern können. Die Mutter erlebt dieses Abenteuer vielleicht mehrfach und hoffentlich gesund. Unser erster Schrei hieß übersetzt: „Hallo, jetzt bin ich da.“ Das war unser Geburtstag, den wir ein Leben lang jedes Jahr feiern.

Abenteuer im vollen Sinn des Wortes heißt: Ich lasse mich auf etwas ein, was ich noch nicht kenne. Abenteuer heißt etwas Tapferes wagen. Solche Abenteurer gibt es auf den verschiedensten Gebieten. So etwa jene „Einhandseglerin“, die ihr Boot ganz allein über ein großes Meer steuerte. Es stand in allen Zeitungen und kam über TV ins Haus. Ich habe die junge Frau bewundert. Ein tolles Weib, ganz allein und sie kam an.

Oder ich denke an jenen Mann, der sich durch einen Helikopter irgendwo am Amazonas im riesigen Dschungel ganz allein absetzen ließ und beim letzten Mal für längere Zeit als verschollen galt, doch nach Monaten war er wieder da. Er kam irgendwo wieder aus dem Urwald heraus. Etwas zerrupft, doch lebendig.

In der Bibel gibt es die Gestalt des Abraham, der „Vater des Glaubens“ heißt. Er wohnte in Ur in Chaldäa, dem heutigen Irak. Gott rief ihn „in ein Land, das ich dir zeigen will“ und er verließ alles, was sein Leben bisher bestimmte. Seine Großfamilie, seine Weidegründe, sein geordnetes Leben und machte sich auf den langen Weg. Von Station zu Station ohne Landkarte und Kompass. Er hatte nur das Wort seines Gottes – wie er das auch konkret vernommen haben mag – und zog weiter, immer weiter. Bis nach Kanaan, dem heutigen Gebiet von Palästina. Er war ein von Gott berufener „Abenteurer des Glaubens“. Der Prototyp des Glaubens, so sieht die Bibel ihn.

Am Ufer des Sees waren einige Fischer damit beschäftigt, ihre Netze zu säubern und zu reparieren. Plötzlich stand ein Mann vor ihnen, den sie vielleicht schon einmal von ferne gesehen hatte, man sprach von ihm. Er sagte nicht: „Entschuldigen Sie, meine Herren, dass ich sie bei ihrer Arbeit störe, doch würde ich mich gerne einmal mit ihnen über Gott und unsere Religion unterhalten.“ Er stand da und sagte: „Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen.“ Der Evangelist Markus müht sich um absolute Kürze in seinem Bericht. Keine weiteren Erklärungen über psychologische und soziale Probleme: „Und sie verließen alles“, ihre Netze, ihren Vater, ihr Boot – „und folgten ihm nach.“ Jesus führte sie auf eine ganz neue Spur, Nachfolge Jesu genannt. Das ist die das ganze Leben umfassende Orientierung an Jesus und seinem Evangelium. Dietrich Bonhoeffer hat ein starkes Buch mit diesem Wort getitelt: „Nachfolge.“

So also begann das Abenteuer des Glaubens für die ersten Jünger. Bis heute leben Christen in dieser Spur. Nein, der Glaube ist keine gemütliche Lebensform. Jesus wird alle, die seiner Provokation zum Glauben folgen, herausholen aus dem Üblichen und herumholen ins „Reich Gottes“, in eine ganze neue Beziehung zu Gott.

Das ist dann die Umwertung aller Werte, die totale Veränderung des ganzen Lebens, „Glaube ist Existenzverwandlung“ hat Sören Kierkegaard gesagt. Die Spur der allzu gewohnten religiösen oder atheistischen Anläufe wird beendet Wir werden nicht frei sein von schwachen Stunden und Bruchlandungen, doch Gott stellt uns durch Vergebung und Ermutigungen wieder auf die Füße und der Weg geht weiter.

Und wir werden hellwache Menschen. Erdenbewohner mit weitem Horizont. Keine Trantüten, die nicht über den Tellerrand sehen. “In ein Land, das ich dir zeigen will....“ Das Christenleben ist ein Unterwegssein, ein ständiges  Aufbrechen“ -  so hat der alte Luther gesagt. Der Glaube an Christus ist ganz persönlich, doch nie privat. Wir sind für andere da. In der Liebe und im Tun des Gerechten. Jesus geht voran – wir gehen hinter ihm her. Als befreite und freie Menschen.