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Johannes Hansen

Das große Comeback des Menschen

Er wollte weg, einfach nur weg. Weg vom Hof des Vaters. Weg von der öden Alltagsarbeit in den Ställen und auf den ausgetrockneten Äckern. Es musste doch noch was anderes geben, dachte er. Was ist hinter dem Horizont, träumte er, wenn am Morgen die Sonne aufging. Der ältere Bruder, dieser Langweiler, sollte nur zu Hause bleiben. Da ging er, der Jüngere zum Vater und forderte seinen Teil des Erbes. Der Vater erschrak, doch blieb er souverän und teilte das Erbe schon vor der Zeit für seine Söhne. Ein überraschendes Verhalten in einer patriarchalischen Kultur. Ein jäher Abschied des Sohnes noch vor der Nacht und ab in die Ferne. Er überschritt Grenzen, immer neue Grenzen in sich und geographisch in die Fremde. Er lebte wie er wollte, zog um die Häuser, aß und trank, was ihm schmeckte. Nicht allein, er lud sie ein, die jungen Männer und die jungen Frauen. Ja, die jungen Frauen, man lachte und liebte und tat, was die Sinne mochten, eine lustige Zeit schien es zu sein. Doch dann wurde das Geld knapp, sein Erbe war bald dahin. Als er es merkte, war es schon zu spät. Dann auch noch eine Hungersnot im ganzen Land. Nun bettelte er um Arbeit und Lohn. Jemand ließ ihn seine Schweine hüten, es muss im Ausland gewesen sein. Schweine, das waren unreine Tiere in seiner Heimat. Doch er musste doch essen und trinken. So lag er auf dem Feld bei den Schweinen. Da roch es nach Ammoniak, nicht nach Deodorant. Und er aß den Fraß der Schweine.

Da kam sie über ihn, die heiße Sehnsucht nach dem Haus des Vaters, zum Tisch und Bett der Heimat. „Er schlug in sich“, lese ich in der Geschichte, nicht um sich und gegen andere, „in sich“, er begriff seine tiefe Lebensnot. Da traf er die beste Entscheidung seines Lebens: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“, sprach er in seinem Herzen. Und er sprach sich vor, was er sagen wollte, wenn er den Vater traf. Und dann kam die große Wende seines jungen Lebens. Als er noch weit entfernt war vom Hof des Vaters, sah der alte Vater ihn schon. Er hatte gute Augen, brauchte kein Fernrohr, er hatte seinen geliebten Sohn doch nie vergessen, dafür liebte er ihn viel zu sehr. Er hatte kein Foto von ihm, doch das Bild des Sohnes hatte sich tief in sein Herz gebrannt. Der würdige Großgrundbesitzer sprang auf, rannte dem Sohn entgegen, zog ihn in seine Arme und küsste ihn. Es roch zwischen Vater und Sohn nur noch nach Liebe. Der Sohn wollte dem Vater seine Vergangenheit beichten, doch der Vater küsste ihm die Worte von den Lippen weg. Der Vater rief ein großes Fest aus. Es dampfte und schmorte und roch nach guten Speisen. Die Musik spielte auf. Das ganze Dorf kam zusammen, auch die Obdachlosen kamen dazu, jeder sollte sich mit dem Vater freuen. „Lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden worden.“ Keine müde Party, ein orientalisches Freudenfest.

Traurig, der ältere Sohn wollte es nicht verstehen, er rühmte sich seiner Treue und seiner Arbeit. Auch der Vater konnte ihn nicht hinüberziehen auf den Festplatz. Der uralte Konflikt zwischen der Selbst-Gerechtigkeit und der frei geschenkten Liebe.

Jesus hat dieses wohl größte Gleichnis seiner Botschaft auf den Plätzen und an den Straßen seiner Zeit erzählt. Seine Beispielgeschichten hatten ein tiefes Geheimnis: Sie zogen die Hörer in sich hinein wie ein starker Magnet die Stahlspäne anzieht. So kam auch ich in diese Geschichte hinein. Wie auch Sie, wenn Sie diese Geschichte wirken lassen. Evangelium pur. So ist Gott. Er mag uns nicht verlieren. Keinen. Niemals. Ungezählte kehrten in 2000 Jahren zurück zu Gott. Das große Comeback des Menschen. Endlich wieder zu Hause.