Zur gott.net Wochenausgabe
zur gott.net Übersicht

Johannes Hansen
Die drei gefährlichsten Buchstaben

Zu Beginn seiner Predigt über die Liebe stellte der Pastor der Gemeinde die Frage: „Was sind die drei gefährlichsten Buchstaben im Alphabet?“ Es dauerte eine kleine Minute, doch dann kam deutlich hörbar aus der versammelten Gemeinde der Zuruf: „ICH“. Also I - C - H. Ehrlich, daran hatte ich nicht gedacht. Doch seither geht mir dieser Gedanke nach wie ein Ohrwurm. Es gibt ja wirklich viele Probleme mit dem „Ich“. Ganz allgemeine, die mich an meinen Deutschlehrer erinnern. „Fangt nie einen Aufsatz mit ‚Ich’ an“, war sein Rat. Seither zögere ich stets instinktiv beim „Ich“ in einem Manuskript oder Brief. Es gibt noch mehr Beispiele.

Doch kommen wir zum „Ich“ in der gefährlichen Art. Es ist aus dem griechischen Sprachraum als „Ego“ in unsere Sprache eingegangen. Ein Mensch ist egoistisch, egozentrisch und als krankhafte seelische Variante kommt noch die Egomanie dazu. Das ganze Leben ist in sich verkrampft. Das „Ego“ als gesunde Personmitte geht kaputt, der Mensch ist auf dem Egotrip. Wenn keine Hilfe von außen kommt. Viele Wörter kommen ins Spiel: Das dicke Ich, das fromme Ich, man ist ichsüchtig und ichbezogen... Ende, es reicht.

Wer hier Probleme hat, ist höchst gefährdet, weil er seine eigene Würde kaputt macht, das hält die Seele nicht aus. Auch sein Umgang mit sich selbst wird für ihn gefährlich. Wer gegen seine innerste Wahrheit lebt, wird krank. Das Problem jedoch ist, er merkt es nicht. Dieser Mensch gefährdet die Situationen um sich herum. Die Ehe leidet, oder es geht ihm eine Beziehung nach der anderen in die Brüche. Gefährlich wird es, wenn der hier bedachte Typ „Macht“ über andere hat. Als Pädagoge, als Mediziner, als Chef, als Leiter einer Gruppe, als Schüler/in oder Student/in in den Alltagsbeziehungen. Im schlimmsten Falle verbreiten wir das Gift der Lieblosigkeit und verderben mehr als die Atmosphäre.

Was ist zu tun, gibt es Hilfe? Manche Christen sprechen von der „inneren Heilung“. Gemeint ist eine bis ins Innerste reichende Erneuerung. In der Bibel gibt es das Wort „Buße“, das viele für ein widerlich frommes Wort halten. Das aber kommt durch die Entleerung oder durch eine negative Tradition in den Kirchen. Im Mittelalter war die Buße ein hartes Geschäft, man musste büßen, sich sogar selbst strafen, gebeugt nach Seele und Leib. Martin Luther nannte die Buße dagegen „ein fröhliches Geschäft“. Gott kommt uns wie der Vater in dem von Jesus so wunderbar erzählten Gleichnis entgegen und nimmt uns in die Arme. Nachzulesen in Kapitel 15 des Lukas-Evangeliums. Der Sohn in der Fremde „schlug in sich“, nicht um sich und kam heim. Diese Umkehr ist die Heimkehr zu Gott. „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden worden.“