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Johannes Hansen

Jesus ist ganz anders

Manchmal muss man ein wenig aufräumen in der Mottenkiste der Religion. In diesem Zusammenhang sage ich: Auch in der Religion mit Namen Christentum. Ich unterscheide zwischen Christentum und Christenheit. Die Christenheit meint die Christen und Gemeinden, die sich zu Jesus, dem Bevollmächtigten Gottes bekennen. Das Christentum  bewegt sich in der Kultur und Gesellschaft rundherum. Leider verschwimmen hier manchmal die Grenzen, das eine schwappt in das andere, doch man darf es klären.

Der Jesus der Evangelien des Neuen Testamentes ist ganz anders, als sich ihn mancher vorstellt und die Traditionen vermittelt haben. Die Jesusbilder gehen von dem Heiland der Schlafzimmerbilder der lieben Oma von gestern bis zu dem Friedenskämpfer vergangener Jahre. Dazwischen tummeln sich jede Menge Assoziationen, die von komisch bis schrecklich reichen. Und auch die Atheisten im Lande tragen Bilder von Jesus mit sich. Vielleicht die eines gescheiterten Schwärmers.

Was den Kritikern an Jesus nicht passte, war vor allem immer wieder seine Verbindung mit den Außenseitern, den Outlaws, wie man heute sagt. Dadurch wurde er gar selbst ein Outlaw, er passte nicht ins System. „Siehe, ein Fresser und Säufer, Freund von Zöllnern und Sündern.“ (Lukas 7,34) „Sünder“ waren nicht die Bösewichter, sondern alle, die sich außerhalb der Religion und Gesellschaft bewegten. Das Kind eines „Sünders“ war vom Tag der Geburt an ein Sünder. Die verhassten Steuereintreiber der Römer gehörten auch zu den Sündern. Sie waren religiös gesehen „a–sozial“. Miteinander essen und trinken hatte damals einen besonderen Rang. Es war die Aufnahme in den Kreis von Freunden. Jesus als der bekannte Prediger vom Reich Gottes war Tischgenosse und Gastgeber zugleich. 

Hier haben wir die alles umstürzende Botschaft des Evangeliums vor uns. Jesus setzte sich mit den Sündern zusammen. Die frühe Christenheit hatte keine Tempel, keine Götterstatuen, weder Priester, noch besondere Kultformen. Die Mahlzeiten, zu denen man sich schon sehr früh wöchentlich versammelte, waren die sichtbare Manifestation der Christenheit. 

Es braucht keine Billets, keine guten Textilien, jeder darf kommen, Jesus ist der Gastgeber beim Gottesfest des Glaubens für alle, die kommen. Auf seinem Tisch stehen wunderbare Speisen, allem voraus die Vergebung der Schuld und die Gemeinschaft mit Gott. „Vater unser“ heißt das Tischgebet.