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Johannes Hansen
"Leichen im Keller"

Ein hartes, ja eigentlich ein gemeines Bild für verschwiegene Probleme, die einer oder eine mit sich herumschleppt, oft über viele Jahre, gar Jahrzehnte. Wäre ich ein Bußprediger uralter Zeiten, könnte ich nun mit dem Seelenknüppel draufhauen. Aber das mag ich nicht. Es hilft auch nicht weiter, sondern verstört eher.

In der Tat gibt es elend stinkende Geschichten, die das Gewissen über Jahre und Jahrzehnte quälen, das zu verschweigen wäre verlogen. Übrigens im weiten Feld unsres Lebens. Keinesfalls nur auf dem von Natur aus so schwachen Gebiet des Menschenlebens, der Sexualität und der „Beziehungen“. Die „sozialen Sünden“, die Lieblosigkeiten sind besonders zerstörend. Der geistvolle Autor Paulus konnte hier richtig derb werden: „Wenn ihr euch gegenseitig beißt und fresst, dann sehet zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet.“ (Galater 5, 15)

Doch ich mag mich auf diesem so schwierigen Gebiet der Verdrängungen nicht wie ein Detektiv aufführen, der zwanghaft in der Not von Menschenschwestern und Menschenbrüdern wühlt und dabei noch einen sog. „Gott“ vertritt, den es in der Art gar nicht gibt. Schuld ist nicht zu verharmlosen, das weiß der Schuldige oft selbst am besten, doch Schuld und Versagen ist stets auch Not für den, der sie mit sich schleppt. Wie oft konnte ich als Gesprächspartner beobachten, wie jemand tief aufatmete, als er endlich rauslassen konnte, was ihn bedrückte.

Diese Seite des Problems wird oft völlig übersehen. Seelsorger, die viele Gespräche darüber führten, Beichten hörten und Menschen im Namen Jesu Christi freisprachen wie auch Psychotherapeuten, die ihre Aufgabe verantwortlich wahrnahmen, wissen viel darüber, doch sie sind zum Schweigen verpflichtet. Zudem sind Sie auch Betroffene und schweben nicht wie Engel über dem allen. Die Bibel spricht offen aus, dass alle Menschen vor Gott Sünder sind und Vergebung nötig haben wie das tägliche Brot. So auch die tägliche Vergebung.

Laut Überschrift geht es dann um vergrabene Geschichten,die wir nicht länger verstecken müssen. Wir müssen uns nicht in jedem Falle vor Menschen „outen“, es sei denn, dass jemand entlastet werden muss. Doch vor Gott können wir uns im Gebet total outen, er ist Kummer gewohnt mit seinen Menschen. Und liebt sie immer noch. Es kann sein, dass sich jemand nach einem Beichtgespräch sehnt. Die ist eine Chance, kein Gesetz, es ist eine Wohltat hat jemand gesagt. Hauptsache, das Herz wird „rein“, wie es in einem Kindergebet heißt. Das Herz ist in der Sprache der Bibel das Personzentrum. Nicht nur der Bereich der Innerlichkeit, sondern was wir mit dem Begriff Existenz meinen. Die Vergebung ist eine innere Heilung des Menschen. Mit dem Lutherwort sind gewiss alle Christen einig: „Wo Vergebung der Sünden, da ist Leben und Seligkeit“, also alles.