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Pfingsten heißt: Es geht weiter!

Es herrscht Flaute in der Kieler Förde. Obwohl die „Kieler Woche“, dieser weltbekannte Segelwettbewerb, schon eröffnet wurde. Die Schiffe dümpeln im Bootshafen vor sich hin. Die Segler unterhalten sich auf den Bootsstegen mit Freunden aus der ganzen Welt. Hier und da wird eine Runde Skat gespielt. Man hört aufmerksam auf die Wetterberichte und schaut nach den Wolken. Und wartet und wartet. Nichts rührt sich, alles bleibt unbewegt. Auch die Stander oben an den Mastspitzen hängen schlaff herunter. So vergeht der erste Tag.

Dann aber kommt über Nacht Wind auf, ein starker Wind, die Boote ächzen und stöhnen, als wollten sie selbst hinaus in die „Kieler Förde.“ Und bald geht’s los, eine Regatta nach der anderen wird gestartet. Die Segel blähen sich im Wind, die Gischt spritzt über die Boote, die Segler nutzen mit ihrer Erfahrung die Energien des Windes, nicht nur um anzukommen, sondern möglichst als Sieger über die Ziellinie zu fahren.

Geist heißt Wind.
Das Segeln scheint mir ein gutes Bild für die Erfahrung des heiligen Geistes zu sein. „Pneuma“ heißt in der griechischen Ursprache des Neuen Testamentes „Geist“ und bedeutet Atem, Hauch und Wind. So wie der Wind in die Segel fährt und die Boote treibt, so will der Geist Gottes in unser müdes Leben fahren. „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ -  schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom.

Er schrieb diesen Brief etwa im Frühjahr des Jahres 56 n. Chr. im Hause des Gaius in Korinth. Er kannte die Christen und die Gemeinde in Rom noch nicht persönlich, doch er hatte viel über sie erfahren. Was er ihnen über den Geist Gottes schrieb, gilt für jeden und für alle Zeiten.

Auch wer sich schon länger als Christ bekennt, weiß von Flauten im Glauben.

Vielleicht dümpelt das ganze Leben vor sich hin. Die Luft ist raus. Wie bei einem Autoreifen ohne Luftdruck. „Pneus“ nannte man früher die Autoreifen. Wieder ist das griechische Wort „pneuma“ im Hintergrund. Nun mag ich den Geist Jesu Christi nicht gerne mit Autoreifen in Verbindung bringen, doch wir kennen die Redewendung, dass etwas nicht mehr „rund läuft“. Das kann der Mangel an Geist Gottes sein.

Die Erinnerung an das erste Pfingstfest damals in Jerusalem kann die Sehnsucht nach dem Geist Gottes in uns wieder wach machen. Wer diese Sehnsucht kennt, ist schon ganz nahe bei der Wahrheit und der Erfahrung des heiligen Geistes. Wenn jemand um den Geist bittet, erhört ihn Gott besonders gerne und schnell. So hat einer der Glaubensväter gesagt. „Wie viel mehr wird er den heiligen Geist geben, denen, die ihn bitten.“ So hat es Jesus gesagt.

Geist heißt Kraft.

Er bringt unser Leben in Fahrt. Nein, er hetzt uns nicht, er macht uns nicht zu verrückten Schwärmern, die dauernd etwas Besonderes brauchen. Aber er treibt uns nach vorne. Ich bekomme wieder Freude am Evangelium. Ich gehe gerne mit anderen Christen um. Ich „oute“ mich als Christ, mein Leben wird interessanter, weil ich mich bewusst an Jesus orientiere. Der Satz:  „Was würde Jesus dazu sagen?“ – war mir immer etwas zu moralinsauer, doch: „Was würde Jesus jetzt tun?“ – diese Frage macht uns zu nachdenkenden Menschen.

Der heilige Geist ist nicht mit dem menschlichen Geist zu verwechseln, doch er ist ein Freund des Menschengeistes, darum möchte er ihn so gerne von seinen Krankheiten heilen. Von der Arroganz des Oberschlauen. Von der Meinung, für alles die nötige eigene Kraft zu haben. Von der Selbstgerechtigkeit eines Menschen, der widerlich von sich selbst überzeugt ist und keine Hilfe von Gott braucht. Und er will uns dankbar machen dafür, dass Gott selbst mit seinem guten heiligen Geist in unser Leben einkehrt und uns zu seinem Tempel macht. So steht es in der Bibel.

Wer den Geist Christi in sein Herz, also in die Befehlszentrale und in seinen Verstand, also in das Organisationszentrum einlässt, der kann überraschende Erfahrungen mit sich und dem Leben machen.

Geist heißt Gewissheit.

Man kann den Kopf voller kluger und sogar frommer Gedanken haben und ein Gefühlsbolzen in Sachen Religion sein. Und doch ist man des Glaubens nicht froh. Ich kann sogar ein Theologe und Pfarrer und sonst was Kirchliches sein und doch bleibt in mir eine tiefe Gottesentfremdung. Ich sage im Herzen „Sie“ zu Gott, nicht „Du“. Die Beziehung zu Gott ist gestört, oder es gab sie noch nie in der Tiefe meines Lebens. Ich habe Menschen getroffen, die darunter sehr gelitten haben. Ihr Glaube sei nur Theorie, eine Akte im Schrank, ein Haufen Papier.

Das innerste Geheimnis der Gottesbeziehung ist die Kindschaft. „Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr Gott nicht verstehen.“ So hat Jesus einmal gesagt. Es ist tatsächlich so,  dass Pfingsten ein Geburtsfest ist. Das Geburtsfest der Kirche, sagen wir lieber, der Gemeinde Jesu Christi. Doch auch das Geburtsfest der Kinder Gottes.  Die Kirche und Gemeinde der Christen wird geboren, doch auch ein einzelner Mensch. Wenn jemand zu Gott kommt und um den Geist Gottes bittet, wird ihm die „neue Geburt“ geschenkt.

Der heilige Geist kehrt bei einem Menschen ein und spricht ihm tief im Herzen die Gewissheit zu, dass er Gottes Kind ist. Mancher mag diese Bezeichnung für sentimental halten. Dann hat er null Ahnung von der Schönheit des christlichen Glaubens. „Kind Gottes“ ist ein Ehrenname, der mir Gänsehaut verursacht, immer noch. Er gilt für Leute, denen der Abschluss der Hauptschule noch so eben gelang und genau so für einen Physikprofessor, der Sachen weiß, die ich nicht einmal im Ansatz verstehe. Ich kenne so einen klugen Mann. Er ist unsagbar froh, dass er ein „Kind Gottes“ ist. Ein preisgekrönter Forscher ist er außerdem. Doch er würde niemals diesen ihm von Gott geschenkten Namen „Kind Gottes“ für seinen Professorentitel eintauschen.

Lasst uns die Boote losmachen, die Segel in den Wind stellen, hinausfahren auf das offene Meer und so das uns zugedachte Leben entdecken, dass mehr ist als Langeweile und Frust, sondern wirklich LEBEN.

Johannes Hansen