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Johannes Hansen
Plädoyer für das Bekenntnis zu Christus 

Der 2014 verstorbene Journalist und Buchautor Peter Scholl-Latour hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass die schleichende Absage an den christlichen Glauben in den europäischen Völkern zu einem großen politischen Problem geworden ist. Als profunder Kenner der muslimischen Welt wusste er, dass es keinesfalls um die Wiederbelebung einer „Religion Christentum“ gehen sollte, um so die Widerstandskraft gegen den Islam zu stärken. Wohl aber gehe es um das öffentliche Bekenntnis zu Jesus Christus, auch bei den Politikern und Wirtschaftsführern unserer Weltgegend. Das wäre gerade auch für Muslime „Achtung gebietend“, um ein altes Wort zu gebrauchen. Im Wohnzimmer von Scholl-Latour hing ein Bild, das den auferstandenen Christus zeigt und er selbst bekannte sich ganz persönlich zum Glauben an Jesus Christus.

Nein, es geht nicht um das Christentum, sondern um eine persönliche Beziehung zu Christus bei möglichst vielen Menschen auch in unserem Land. Dazu gehören Klärungen auch im Wissen und Denken. Und dann Entscheidungen, die das ganze Leben verändern. Nur so kann es wieder zum Glaubensbekenntnis vieler Menschen kommen. Johannes Rau, der 2006 verstorbene Altbundespräsident unserer Republik, war dafür ein Vorbild auf höchster Ebene, er dachte und lebte als ein Christ. Dieser Glaube will uns alle erfassen und in eine Spur des Glaubens bringen, die nicht am Rande verläuft, sondern die Mitte des Lebens bestimmt. Der Glaube ist keine Verzierung, sondern die tragende Mitte des Lebens. 

Was glauben die Christen?
Ich versuche es in kurzer Form zu sagen.

Das innerste Geheimnis des Glaubens
Das innerste Geheimnis des Glaubens ist nicht nur eine Ansammlung von Wissen, sondern eine persönliche Beziehung zu Gott, die durch Jesus Christus zustande kommt. Das geschieht durch das Evangelium und den Heiligen Geist. Wenn Menschen das Evangelium erwartungsvoll lesen oder hören und um Klarheit beten, wird sie Gott erhören. „Gottes Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“, schreibt Paulus an die Christen in Rom. Diese Gewissheit ist total Geschenk, doch ein Geschenk wird für uns erst wirklich zum Geschenk, wenn wir es annehmen und „danke“ sagen.

Basiswahrheiten
Basiswahrheiten sind keine dogmatischen Paragrafen, sondern zentrale Bibelworte, die das Ganze des Glaubens auf den Punkt bringen. Hier ein Beispiel aus der Reihe vieler. Paulus hat die folgenden komprimierten Sätze an seinen jungen Freund und Mitarbeiter Timotheus geschrieben:

„Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dieses zu allen Zeiten gepredigt werde.“

Er sagt nicht, dass es einen Gott gibt, das war damals so selbstverständlich wie die Luft, die man atmete. Paulus bekennt sich jedoch zu dem einen und einzigartigen Gott, der sich durch den Menschen Jesus von Nazareth bekannt gemacht hat. Er meint keinen „Monotheismus“, also einen „Ein-Gott-Glauben“, sondern die Überwindung aller Gottesvorstellungen durch die schon damals schier unbegreifliche Botschaft von der „Offenbarung“ des einen Gottes in dem Menschen Jesus. In Jesus hat sich uns Gott sozusagen vorgestellt, bekannt gemacht. Verrückter kann eine „Religion“ nicht sein.

So ist das Universum und die Geschichte „entgottet“, befreit von den unerfüllten Träumen und den heimlichen Ängsten des immer noch suchenden Menschen. Wir sind gefunden worden von Gott, das ist es.

Gott ist Mensch geworden, um uns zurück zu holen in seine Gemeinschaft.

So nahe ist Gott zu uns gekommen, buchstäblich hautnah. So menschennah und liebevoll ist er, unser Gott. „Gott in Christus“ heißt ein großer Bekenntnissatz der Christenheit. Ich sage immer wieder, dass dieser Glaube für eine „Religion“ nicht geeignet ist, er ist die Überwindung der Religion und die absolut positive Antwort auf die Sehnsucht der Religionen.

Der Leser ärgere sich bitte nicht, es geht nicht um einen arroganten Hochmut der Christenheit, sondern um die höchst erfreuliche Nachricht, dass unser Suchen und Sorgen um die Gottesbeziehung ein Ende gefunden hat. Der Glaube an Jesus, den Christus Gottes, ist dieses Ende der Religion. „Euangelion“ heißt darum die Verkündigung von Anfang an, das bedeutet „Frohbotschaft“, niemals „Drohbotschaft“. Es ist eine Freiheitsbotschaft, die uns die Menschenwürde verleiht, die Gott als Schöpfer für uns gedacht hat.

Gott also will in seiner Liebe, dass alle Menschen diese rettende Wahrheit erfahren und ihnen auf diese wunderbare Weise geholfen wird. Darum soll diese Wahrheit zu allen Zeiten allen Menschen mitgeteilt werden. Gott ist ein leidenschaftlicher Liebhaber. „Verrückt vor Liebe“ hat ihn der Priester und Dichter Ernesto Cardenal genannt.

Der Glaube der Christen ist also keine Unterwerfung unter einen Gott, der uns durch Gesetze und Vorschriften am Boden hält, sondern das große Aufatmen und Staunen über Gott, der Liebe ist. Er liebt nicht nur, er ist Liebe. Sich lieben lassen, das ist der Glaube. „Lasset uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“, steht im 1. Brief des Johannes. Wer sich so geliebt weiß, der wird eine Umwandlung seines Denkens und Lebens erfahren, die ihn froh macht. Er wird Gott nicht betrügen wollen.

Vergessen wir nicht, ein Geschenk wird für uns persönlich erst zum Geschenk, wenn wir es in die Hände nehmen und „danke“ sagen.