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Johannes Hansen
Platz machen für Gott

Als Autobahn-Vielfahrer kenne ich mich aus. Jedenfalls vom Fenster meines Wagens aus. Viele Monate musste ich über die A2 nach Hannover und wieder zurück fahren. Woche für Woche. Die Männer auf den Baustellen schufteten bei Wind und Wetter. Irgendwann waren beide Seiten wieder frei von Baustellen. Gut so, nun ist freie Bahn für alle.

Autobahnen haben auf den ersten Blick kaum etwas mit Gott zu tun. Gott fährt nicht mit dem Auto. Weder mit einem Golf noch mit einem Rolls Royce. Doch er kommt mit seinem guten Geist in jedes Auto, wenn Menschen ihn von dort aus im Gebet ansprechen. Das hier nur nebenbei, doch dennoch sehr wichtig zu wissen.

Aber nun wieder zum Straßenbau. In frühen Zeiten gab es gewiss auch grausame Wege und Straßen. Löcher und Matsch und Staub je nach Jahreszeit. Wenn nun das Kommen des Königs oder eines hohen Bevollmächtigten angekündigt war, musste er über diese Straße reiten oder auch von edlen Rossen gezogen in einer Prachtkutsche gefahren werden. Ziemlich rappelig, diese Strecken.

Darum der Ruf: „Bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott.“ So hat es einst der Prophet Jesaja ausgerufen. Auch er nahm das Bild der Straße für eine Botschaft des Glaubens. Gott kommt zu euch, bereitet euch darauf vor. Großes wird geschehen. Er wird alles neu machen und euch tief verändern.

Die Christenheit hat das alte Prophetenwort in ihre Verkündung der Freudenbotschaft des Advent übernommen. Advent kommt von adventus, Ankunft, dazu advenit, er kommt. Das ist die jährliche besondere Botschaft der vier Sonntage vor dem Fest der Geburt des Gottessohnes. Er kommt, obwohl er schon vor 2000 Jahren kam, doch er ist immer noch und immer wieder unterwegs. Der Christus, der zu uns, in uns hinein und unter uns alle kommen will. In unsere Herzen und Köpfe, in unsere Freundschaften, Ehen, Familien, in unsere Wohnungen und Kirchen, ja, in alle Welt, zu jedem, der dies hört und liest. So wird es Advent bei uns. Kontakt mit Gott.

Die Bahnen, die Jesus geht, führen in unsere Herzen, in unsere Gehirne, in unsere Gemüter. Hier liegen die Brocken von Stolz im Wege, sie müssen weggeräumt, im Ernstfall sogar gesprengt werden. Die tiefen Schlaglöcher von den Turbulenzen unserer Streitereien in den Beziehungen müssen gefüllt werden. Unter Mitarbeitern und Kollegen, in Lehrerzimmern, Redaktionen und Krankenhäusern – überall die tief aufgerissenen Schlaglöcher, die begradigt werden müssen. Und dann der ganze Matsch von Schuld und Geringschätzung, die wir einander angetan haben. Er klebt nicht nur an den Schuhen, er findet sich auch an den weißen Wänden innen in den Häusern, in denen wir essen und trinken, schlafen und arbeiten, Sitzungen haben und Beschlüsse fassen.

„Bereitet dem Herrn den Weg“ ist keine Beschimpfung, keine moralistische Maßregelung, es ist eine herzliche Bitte. Macht doch Gott Platz in eurem Leben. Lasst seinen Sohn Jesus ins Innerste eures Lebens ein. Werdet Advent-Menschen, Wegbereiter, Platzmacher für DEN BESTEN der Welt. Der von den „neuen Atheisten“ so verachtet wird. Die doch nur alte Irrtümer aufputzen und sich als Vertreter eines atheistischen Fundamentalismus zu erkennen geben. Sie bekennen sich scheinbar kühn. Eine entsetzliche Vorstellung, die gewünschte atheistische Weltgesellschaft.

Hier heißt es, den geheimnisvollen, unsichtbaren, doch tief wirksamen Jesusgeist einlassen. Er lässt sich nicht mit naturwissenschaftlichen Argumenten aus der Mottenkiste des 19. und 20. Jahrhunderts aus der Welt schaffen. Das hier ist keine billige Kampfesformel, Gott liebt ja auch die Atheisten, Jesus betete sogar für seine Mörder.

Wir Christen freuen uns auf Jesus, wie alle Tage, so auch in diesem Jahr wieder ganz neu. Das wollen uns diese Adventwochen lehren. Er kommt und kommt und kehrt bei uns ein. Wir machen ihm alle Wege frei. Komm zu uns, Herr Christus, mit allen guten Gaben, vor allem mit der Freude des Glaubens. Wir brauchen sie dringend wie unser tägliches Brot.