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Michl Graff
Aber der Mensch wird trauern

Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Matthäus 5,4

Trost? Wir doch nicht. Keine Vertröstung, sagten wir und fegten den Trost gleich mit vom Tisch. Keinen billigen Trost, sagten wir, doch da war dann auch kein teurer. Trostlos blieben wir, und es gab nichts zu weinen, also auch nichts zu lachen.

»Aber der Mensch wird trauern – / Masse, muskelstark / Cowboy und Zentauern, / Nurmi als Jeanne d'Arc...« (Gottfried Benn, Qui sait). Paavo Johannes Nurmi war finnischer Leichtathlet, lief zwischen 1922 und 1931 22 anerkannte Weltrekorde auf den Strecken zwischen 1.500 und 10.000 Meter. Und Jeanne d'Arc, eigentlich Jeanne la Pucelle, die »Reine, Unschuldige«, die charismatische Befreierin von Orleans, Opfer von Intrigen, hingerichtet auf dem Scheiterhaufen. Täter, Opfer, Sieger, Verlierer, Stärken, Schwächen, Glanz und Elend. Aber der Mensch wird trauern. Auch der, der sich nicht trösten lassen wollte.

Zweimal findet Jesus Trost auf der Via Dolorosa. Das Taschentuch der Veronika und die Marscherleichterung dank Simon von Zyrene. Jesus nimmt beides an. Nur das Gejammer der Weiber kann er nicht leiden. Das tröstet auch nicht. Das macht das Herz nur schwer. Trauer und Trost gehören eigentlich zusammen. Als wir sie trennten, wurden beide krank. Und das ist nicht einmal für uns Langstreckenläufer, Langstreckenzweifler gut.