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Michl Graff
Burg, dich müssen wir nicht bauen

Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet. Denn du bist mein Fels und meine Burg; um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten. Psalm 31,3-4

Schön, wie die Psalmen Bitte und Antwort identifizieren: Der du mein Fels bist, sei du mein Fels. Der du meine Burg bist, sei du meine Burg. 

Schön, wie die Psalmen uns entlasten. Die Burg muss nicht gebaut werden. Die Burg muss nicht erfunden werden. Sie ist da, eine der tausend Gestalten: Ich bin der Ich-bin-da. Die Burg muss nicht einmal verteidigt werden. Sie verteidigt uns. 

Und wir? Die Kirche? Das Gesetz? Struktur und Institution, Moral und Dogma, Ritus und Tradition? Alles voller Leben, alles aus Fleisch und Blut, alles heute grün und morgen welk, dann wieder grün, dann wieder welk. Alles wie Gras. Alles hin und wieder wie tönendes Erz. Alles inmitten der Burg wohlbehalten, draußen aber total überfordert, gefährdet, lächerlich. Nur wenn wir glauben, längst außerhalb der Burg zu sein, müssen wir selber Burgen bauen: lächerliche Sandburgen am Strand der Ewigkeit.