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Michl Graff
Der Herr des Webstuhls lächelte

Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück. (Ijob 7,6-7)

Mein Lebensfaden: Nie hatte ich ihn in der Hand. Nie hätte ich ihn verlieren können. Der ihn mir gab, war für ihn zuständig: Gott, der Herr des Webstuhls. Solange er wollte, gab er mir Faden. Solange er einen Sinn in meinem Gewebe erblickte. Als ich bemerkte, wie kurz der Restfaden war, bekam ich's mit der Angst, und versuchte, möglichst viel mit möglichst wenig Faden zu fertigen. Mein Gewebe wurde immer haltloser. Da gab man mich in Pflege. Das bisschen Faden war gerade noch gut genug für mich allein. Ich hielt mich an ihm fest und verzichtete auf weitere Produktion. Ich wurde Raupe. Ich wurde Schmetterling. Und siehe, alles war gut. Der Herr des Webstuhls lächelte. Denn der Sinn meines Lebens war größer als der Sinn meines Gewebes.