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Michl Graff

Im Haus des kinderreichen Gottes

Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen
ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
Gott bringt die Verlassenen heim,
führt die Gefangenen hinaus in das Glück;
doch die Empörer müssen wohnen im dürren Land.
Psalm 68,6-7

Nun wissen wir also, wie es bei Gott daheim zugeht. Waisen, Waisen, Witwen. Kindergeschrei und Gekrabbel charakterisierten Gottes gute Stube. Die heilige Stätte ist nämlich eine Wohnung. Wenn das Gotteshaus seinen Namen verdient, wird es zwar nicht ständig Jugendherberge und Kindergarten sein, aber ein Durchgangswohnheim ist es allemal: In jeder Kirche Kirchenasyl!

Die Erwartungen an die Qualität der heiligen Stätte sind groß und widersprüchlich. Stille, so sagen lärmgeschädigte, stressgeplagte Zeitgenossen, Stille und Beschaulichkeit suchen wir in erster Linie, Konzentration und Meditation. Ihr Gotteshaus ist immer ihr Menschenhaus. Einen Unterschlupf, ein Dach über dem Kopf, vorläufige Sicherheit vor Brandanschlägen und Abschiebung, das suchen andere. Die Verwaisten unserer Zeit haben viele Gesichter. Um ihrer Ruhe und Sicherheit willen: öffnet die Tore weit! Denn das Gotteshaus ist auch für sie ein Menschenhaus, womöglich das einzige.