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Im Post-Archiv finden Sie alle Briefe, die bisher von drüben bei uns ankamen.

Der Evangelist Johannes (von Tilman Riemen-schneider 1460-1531)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Das kaschubische Weihnachts-Lied

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Himmelsbrief vom Evangelisten Johannes zum Altjahrabend 2012

Guten Abend, geliebte Freunde, es ist wieder Zeit.

Ich weiß, dass ihr jetzt schwer beladen zur Berghütte aufsteigt, um Silvester zu feiern. Im Gepäck: Brennbare Souvenirs aus 2012. Darunter viele Zeitungen. Gesammelte Schlagzeilen. Und eure Terminkalender. Und verschlossene Briefumschläge, darin beschämende Beichten, intime Geständnisse und rührende Gedichte zu Liebeskummer und Sehnsucht. Das alles wird verbrannt. Schlag Mitternacht. Unten aus dem Tal pfeifen Raketen durch die Nacht, Knaller und Kracher übertönen fast das Glockengeläut. Ihr aber fasst euch an den Händen, steht im Kreis, schaut ins Feuer und lauscht ins Tal.

Reihum werdet ihr aus meinem Weihnachtsevangelium vorlesen. Zu jedem guten Wort gehört - gleichsam in Klammern - ein persönlicher Herzenswunsch. Vielleicht so:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott.
(Benni: Ja, das wär's. Am Ende des Jahres an den Anfang zu denken. "In the end is my beginning.")
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
(Bärbl: Alle Dinge, aller guten Dinge, aller guten Dinge sind zwei oder drei, in deinem Namen beisammen. Oder auch so: Liebend gern wäre ich guter Dinge. Liebend! Gern! Guter Dinge! Ach.)
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
(Patrick: Ich lebe. Lebe ich?)
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.
(Wojtek: Wenn ihr wüsstet, wie finster es in mir ist. Totale Sonnenfinsternis. Wenn ihr wüsstet, wie schwer dieses Jahr war. Wie schwer mein Leben war...)
Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, dass er  von dem Licht zeugte, damit sie alle durch ihn glaubten.
Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.
(Johnny: Lea nennt mich manchmal den armen Leuchter. Liebe Lea, nur Funkenflug gebe ich dir. Aber ich liebe dich.)
Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.
Ralf: Also ist allen Menschen Licht gegeben. Auch Wojtek, der sich so verdammt schwer tut.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; aber die Welt erkannte es nicht.
(Elvira: Ob sich meine Zweifel jemals auflösen? Und wer wäre ich dann?)
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
(Rose: Wieder ein Jahr verlebt. Verbissen, verkrampft, verbraucht. War ich jemals aufnahmebereit?)
Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.
(Hannah: Ein einziger Mann hat mich besetzt. Immer noch. Ich werde ihn nicht los. Aber ich will.)
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
(Ole: Bei uns daheim war es Brauch, zu diesem Text die Knie zu beugen. Sonderbar. Immer noch zuckt der Beugemuskel. Ich werde das nicht los. Gut so.)

Da steht ihr nun im Kreis, und es ist ein Kreis der Freundschaft.

"Ihr seid meine Freunde." Mein liebstes Christuswort für euch. Ich bin dein Freund, Ole. Ich bin dein Freund, Hannah. Ich bin dein Freund, Rose. Ich bin dein Freund, Elvira. Ich bin dein Freund, Ralf. Ich bin dein Freund, Johnny. Ich bin dein Freund, Wojtek. Ich bin dein Freund, Patrick. Ich bin dein Freund, Bärbl. Ich bin dein Freund, Benni.

Nun singt, Freunde, singt wie alle Jahre, singt wie alle Welt, singt das berühmte „Auld Lang Syne“

Nehmt Abschied, Brüder (und laut singt ihr euer "Schwestern", ja, laut!) - ungewiss ist alle Wiederkehr
Die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer.
Der Himmel wölbt sich übers Land,
Ade, auf Wiedersehn!
Wir ruhen all in Gottes Hand,
Lebt wohl, auf Wiedersehn.
Die Sonne sinkt, es steigt die Nacht, vergangen ist der Tag.
Die Welt schläft ein, und leis' erwacht der Nachtigallen Schlag.
So ist in jedem Anbeginn das Ende nicht mehr weit.
Wir kommen her und gehen hin und mit uns geht die Zeit.
Nehmt Abschied, Brüder, schließt den Kreis, das Leben ist ein Spiel.
Und wer es recht zu spielen weiß, gelangt ans große Ziel.

Wie? Hat euch jemand getadelt wegen der letzten Zeilen? Das Leben sei kein Spiel, hat er gesagt, und selbst wenn, so komme doch keiner dank eigener Spielkunst und religiöser Besserwisserei ans Ziel, sondern dank der Gnade, hat er gesagt. Ihr aber singt so, wie ihr den Text seit Jahr und Tag kennt, by heart. Ihr singt und steht im Kreis und schaut den Funken nach, die euch die Richtung weisen.

Und dann? Was wird anders sein im Neuen Jahr? Fast nichts. Erinnerungen bleiben, Probleme bleiben, Konflikte bleiben, Aufgaben bleiben, Verletzungen, Wunden, Narben bleiben. Wenn ihr wieder absteigt, ist es euch noch leicht ums Herz. Aber Schritt für Schritt, dem Alltag näher, grinsen eure alten Geschichten. Wie in jedem Jahr. Ihr wisst das, aber es hindert euch nicht. Ihr begeht den Jahreswechsel ganz wörtlich im Freundeskreis. Das ist euer Geheimnis. Dass ihr Freunde seid. Geliebte!

Euer himmlischer Brieffreund: Johannes

(Ich war der, der an der Brust Jesu schlief beim Letzten Abendmahl. Ich weiß, was Freundschaft ist. Ich war auch der, der mit Maria unterm Kreuz stand. Ich weiß, was Freundschaft ist.)