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Jürgen Werth
Auf Gott verlassen

“Herzlichen Glückwunsch”, rief sie ihm nach. “Du machst es richtig!” “Was mache ich richtig?”, fragte er verdutzt. “Ich habe doch gar nichts gemacht.” “Genau das meine ich”, antwortete sie verschmitzt. “Du hast nichts gemacht. Du hast nichts selbst in die Hand genommen. Du hast dich auf Gott verlassen. Jetzt hat er es gemacht. Und das ist viel, viel besser!”

Dabei waren es wirklich schwere Tage gewesen. Seine Bewerbungsunterlagen hatten schon seit mehreren Wochen im Vorzimmer des Personalchefs geschmort. Immer wieder hatte er überlegt, ob er nicht seine Beziehungen spielen lassen sollte. Schließlich kannte er den Schwager des Personalchefs aus der Gemeinde. Aber irgendwie war ihm immer wieder klar geworden, dass er diese Angelegenheit Gott überlassen sollte. Wenn es richtig war, dass er diese Stelle bekam, wenn es wirklich sein Platz war, der Platz, den Gott ihm zuweisen wollte, dann würde er die Stelle schon bekommen. Nein, nicht immer war er ganz sicher gewesen. Nicht immer hatte er ruhig schlafen können. Manchmal schon hatte er den Hörer in der Hand gehabt, um den Schwager des Personalchefs anzurufen. Doch immer wieder hatte er aufgelegt. Er wusste selber nicht ganz genau, ob das richtig war. Schließlich erwartet Gott von uns, dass wir das, was wir selber tun können, auch selber tun. Warum sonst hätte er uns zwei Hände gegeben und einen wachen Verstand? Warum sonst hätte er uns Ideen und Phantasien gegeben? Warum sonst Menschen an unsere Seite? Warum sonst - ein Telefon?

Aber immer wieder war ihm dieser Vers eingefallen: “Herr Zebaot, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!” Ein Psalmvers, Psalm 84, Vers 13. Herr Zebaot, Herr, der Heerscharen, Herr der himmlischen Gewalten, Herr aller Engelheere, Herr, der die Welt geschaffen hat, du Herr, der alles in der Hand hat, du Herr, dem nichts unmöglich ist - herzlichen Glückwunsch dem Menschen, der sich auf dich verlässt. So hatte er den Psalmvers immer wieder verstanden und er wollte dieser Mensch sein, einer, der sich ganz und gar auf Gott verlässt.

Heute Morgen - endlich heute Morgen - hatte das Telefon geläutet, der Personalchef war am Apparat und er hatte ihn zum Vorstellungsgespräch eingeladen und dabei noch gesagt, dass er der richtige Kandidat sei, dass er alle Voraussetzungen für die Stelle mitbringe und dass man nur noch die Formalitäten klären müsse. Es war gut gegangen. Er hatte sich auf Gott verlassen und er war nicht enttäuscht worden.

Beschwingt betrat er später das Büro des Personalchefs. Die Formalitäten waren rasch geklärt, als ihn der Personalchef plötzlich durchdringend anschaute. Und dann kam die Frage, mit der er nun wirklich nicht gerechnet hatte: “Könnten Sie sich auch vorstellen, für unsere Firma in Mailand tätig zu werden?” Das war ein Schock. Mailand, das hieß Italien, das hieß Ausland, das hieß weg von den Freunden, weg von der Gemeinde. Mailand, das hieß eine Expedition ins Unbekannte übernehmen. Er wollte schon den Kopf schütteln, als ihm wieder sein Psalmvers einfiel: “Herr Zebaot, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!” Und ein bisschen zögernd, aber doch beherzt nickte er dem Personalchef ins Gesicht.